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Sagen aus Vorarlberg

: Sagen aus Vorarlberg - Kapitel 6
Quellenangabe
titleSagen aus Vorarlberg
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modified20170929
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Die drei Schwestern von Frastanz

Westlich von Frastanz zieht sich von Feldkirch gegen die Grenze des Fürstentums Liechtenstein ein malerischer Gebirgszug hin, aus dem seltsam geformte kahle Steingebilde, die »Drei Schwestern« genannt, emporragen.

Hierher kam vor langer Zeit öfter ein Welscher, ein Venediger, wie die Leute sagten, und hielt sich tagelang in dem damals unbewohnten Saminatal auf, das am Ostfuß des Gebirgsstockes hinstreicht Sooft er dann die Gegend verließ, war sein Behälter bis zum Rand mit Gold gefüllt.

Der Mann kam mit einem großen Krug in der Hand durch die Luft von Venedig bis in das Saminatal gefahren, wo er eine Goldquelle wußte. Dort stellte er seinen Krug unter den goldführenden Wasserstrahl, der aus dem Innern der Erde Goldkörner mitriß. Sobald der Krug voll war, fuhr er durch die Luft wieder nach Venedig zurück. Einmal, als er gut gelaunt war, hatte er den Krug voll Gold einigen Hirten gezeigt Die aber hatten sich bekreuzigt und waren schnell davongerannt, denn sie hielten den Mann für einen bösen Zauberer, der seine Kunst mit Hilfe des Satans ausübe.

Nun lebten damals in Frastanz drei leichtsinnige, tändelsüchtige Schwestern, die einmal an einem hohen Feiertag schon frühmorgens in das Gebirge gegangen waren, um Beeren zu pflücken und sie im nahen Feldkirch zu verkaufen. Von dem Erlös gedachten sie sich Schmuck oder schöne Kleider zu beschaffen.

Mitten im Wald trafen sie plötzlich den Venediger, der sie schroff anschrie:

»Was macht ihr heute, an diesem hohen Feiertag, hier im Wald?«

»Nichts, nichts!« riefen die drei Schwestern wie aus einem Munde erschrocken aus; das Gewissen schlug sie, weil sie nur aus leichtsinniger Tändelsucht Geld erwerben wollten.

»So sollt ihr auch zu nichts werden«, schrie der Zauberer mit rauher Stimme, »nichts sollt ihr sein als drei kahle Felsen, ohne Gras und Laub, ohne Baum und Strauch; unter diesen Felsen soll verborgen der Goldquell rinnen, und kein Mensch soll ihn finden.«

Starr standen die drei Schwestern auf der Stelle; zu Stein geworden, konnten sie sich nicht mehr vom Platz bewegen. Der Zauberer aber hatte sich dadurch, daß er Macht über sie gewonnen, von seinem Fluch erlöst, den sie an seiner Stelle übernehmen mußten.

Man sah den Venediger nie mehr in der Gegend, den Goldquell hat bisher kein Mensch gefunden, die Treiben der Menschen im Rheintal hinab.

 


 

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