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Sagen aus Vorarlberg

: Sagen aus Vorarlberg - Kapitel 14
Quellenangabe
titleSagen aus Vorarlberg
typelegend
senderharald.aichmayr@netway.at
modified20170929
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Der Lohn des Verräters von Bregenz

Südlich von Bregenz befindet sich auf einem gegen den Bodensee vorspringenden Felsrücken des Pfänders die Bregenzer Klause, ein schon vor alters stark befestigter Bergpaß, der im Dreißigjährigen Krieg mit neuen, mächtigen Schanzen umgürtet wurde, die sich bis in die Gegend von Lochau erstreckten. Bregenz galt daher als ein so sicherer Platz, daß viele Fürsten und Klöster ihre Schätze hierher in vermeintliche Sicherheit brachten. Das reizte die Raubgier der schwedischen Truppen; General Wrangel rückte im Jahre 1646 mit beträchtlicher Heeresmacht heran, um seine leeren Kriegskassen mit neuer Beute zu füllen. Kempten fiel, Ravensburg wurde bis auf den letzten Knopf ausgeplündert, doch Bregenz war nicht zu bezwingen

Da fand sich ein ortskundiger Mann aus Lochau, der die Schweden auf versteckten Wegen und Pfaden an die Stadt heranführte, die bald mit unermeßlicher Beute dem Feind in die Hände fiel.

Um guten Lohn hatte er sich erbötig gemacht, die feindlichen Scharen auf Umwegen ins Tal vor das Städtchen zu führen. Die Schweden gingen darauf ein, und die Stadt fiel in die Hand der Feinde. Nun kam der Verräter zu General Wrangel und bettelte um den zugesicherten Lohn. Der aber sagte:

»Dein Taglohn soll dir wohl werden. Geh auf den Schloßberg hinter die Felsen; dort ist ein Sumpf, da haben die Grafen von Bregenz im Appenzeller Krieg, wie man mir sagte, ein goldenes Kegelspiel vergraben; das ist dein Lohn, das kannst du dir holen. Geh nur dorthin mit Hacke und Schaufel und such dir's!«

Da ging der Mann hin zum Sumpf und grub und grub immerzu, aber er fand kein goldenes Kegelspiel, er fand aber auch keine Ruhe mehr nach seinem Tod. Berggeister und böse Gesellen zerren ihn um Mitternacht durch Wasser, Schilf und Moor. Und so geistert er dort noch zur Stunde herum und muß zum Lohn für einen Verrat graben und graben auf ewige Zeiten. In düsteren Nächten, um Mitternacht, wankt der Verräter, in der Hand Laterne und Schaufel, trübselig an die Arbeit und gräbt, bis es zwei schlägt. Da aber verlöscht ihm sein Lichtlein, und was er gegraben hat, fällt wieder in sich zusammen.

 


 

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