Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Thüringen

: Sagen aus Thüringen - Kapitel 54
Quellenangabe
titleSagen aus Thüringen
typelegend
created20020117
senderhille@abc.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der zu Ruhla hartgeschmiedete Landgraf

Zu Ruhla im Thüringer Wald liegt eine uralte Schmiede, und sprichwörtlich pflegte man von einem strengen, unbeugsamen Mann zu sagen: er ist in der Ruhla hart geschmiedet worden.

Landgraf Ludwig zu Thüringen und Hessen war anfangs ein milder Landesherr. Da begannen die Junker und Edelleute stolz zu werden und ihren Herrn und seine Gebote zu mißachten; aber die Untertanen bedrückten sie in jeder Weise.

Einmal ging der Landgraf auf die Jagd und verirrte sich bei der Verfolgung eines Wildes. Es wurde Nacht, er war ganz allein im weiten Wald. Da gewahrte er durch die Bäume hindurch ein Feuer, schritt darauf zu und kam zu einer Waldschmiede, die Ruhla genannt wird. Der Fürst trug einfache Kleider und hatte sein Jagdhorn umhängen. Der Schmied fragte, wer er sei.

»Des Landgrafen Jäger«, antwortete der späte Gast.

Da sprach der Schmied: »Pfui dem Landgrafen!« Ludwig schwieg, der Schmied aber fuhr fort: »Übernachten kannst du bei mir; in dem Schuppen da findest du Heu, dort magst du dich mit deinem Pferde behelfen; aber um deines Herrn willen würde ich dir diesen Dienst nicht leisten.«

Der Landgraf ging beiseite, konnte aber nicht schlafen. Der Schmied arbeitete die ganze Nacht, und sooft er mit dem großen Hammer auf das Eisen einschlug, sprach er bei jedem Schlag: »Landgraf, werde hart! Landgraf, werde hart wie dies Eisen!« Dann schalt er: »Du böser, unseliger Herr! Siehst du nicht, wie deine Räte das Volk plagen?«

Mit solchen und anderen Worten machte der Schmied die ganze lange Nacht seinem Herzen Luft. Und sooft die Hammerschläge fielen, schalt er den Herrn und hieß ihn hart werden wie das Eisen. Das trieb er bis zum Morgen. Der Landgraf hörte alles, nahm sichs zu Herzen und wurde seit dieser Zeit besonders ernst in seinem Gemüt. Dann zwang er seine widerspenstigen Junker zum Gehorsam und suchte der Ausbeutung seines Volkes zu steuern. Dagegen wollten sich einige Adelige erheben, sie verbanden sich und wagten es sogar, sich gegen ihren Herrn zu wenden. Doch die Standhaftigkeit und Härte des Landgrafen brachte auch diese bald zur Vernunft, und kein Widerstand erhob sich mehr gegen die Verfügungen des Landesherrn.

 


 

 << Kapitel 53  Kapitel 55 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.