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Sagen aus Schwaben

: Sagen aus Schwaben - Kapitel 43
Quellenangabe
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Der Herr von Falkenstein

Ein Ritter aus dem Kinzigtal namens Kuno von Stein wollte unter Gottfried von Bouillon das heilige Grab erobern helfen. Er nahm daher Abschied von seiner Gemahlin mit den Worten: »Wenn ich nach Jahresfrist nicht wieder hier bin, dann bin ich tot, und du darfst nicht länger auf mich warten.«

Vor Jerusalem geriet der Ritter in die Gefangenschaft der Sarazenen, wurde als Sklave verkauft und mußte nun den Pflug ziehen und das Feld umackern. So verstrich ein Jahr. Wie er nun in einer schlaflosen Nacht seiner Heimat und seines Weibes gedachte, trat ein kleines Männlein, das aber der Teufel war, zu ihm heran und versprach, ihn noch vor Anbruch des Tages zu den Seinen unter folgender Bedingung zurückzubringen: Bleibe der Ritter während der ganzen Nacht wach, so wolle das Männlein ihn umsonst hinschaffen, schlafe er aber ein, dann solle er mit Leib und Leben dem Männlein verfallen sein. Der Vertrag wurde schriftlich aufgesetzt, und sogleich befand sich der Ritter auf dem Rücken eines Löwen und flog hoch über den Wolken über Meer und Land dahin.

Wie er nun so dahinfuhr, überfiel ihn mit einem Male eine unüberwindliche Müdigkeit. Er wollte eben einschlummern, als er plötzlich einen Schlag ins Gesicht bekam. Er fuhr auf und erblickte einen weißen Falken über sich schweben. Aber der Schlaf übermannte ihn fast ein zweites und ein drittes Mal, doch immer wurde er von dem weißen Falken geweckt.

Endlich dämmerte der Morgen. Der Ritter sah bereits tief unten die Zinnen seiner Burg liegen. Schon senkte sich der Löwe herab und ließ sich vor den Toren der Burg nieder. Im gleichen Augenblick fiel der Pergamentstreifen, auf dem der Ritter sich dem Teufel verschrieben hatte, zerrissen zu des Ritters Füßen nieder. Ein heftiger Sturm brach aus und tobte um die Burg, bis die Sonne aufging. Da sah der Ritter den weißen Falken auf dem Schloßturm sitzen. Der Vogel verließ die Burg nicht mehr und kehrte nach seinen Flügen immer wieder auf sie zurück.

Zum Andenken nahm der Ritter den Falken in sein Wappen auf und nannte die Burg und sein Geschlecht nach ihm Falkenstein.

 


 

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