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Sagen aus Schwaben

: Sagen aus Schwaben - Kapitel 155
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titleSagen aus Schwaben
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Poppele auf Hohenkrähen

Auf dem Hohenkrähen nahe beim Hohentwiel lebte vor Zeiten Johann Christoph Popelius Mayer als Burgvogt. Er war klein und schwächlich von Gestalt, aber doch wild und unbändig und zu allerlei Untaten aufgelegt. Er wurde von einem Abte, dem er einst einen bösen Streich gespielt hatte, verflucht und muß nun seit seinem Tode als Geist umgehen. Die Leute nennen ihn nur den Poppele von Hohenkrähen.

Er hilft oft auf dem Bruderhof und tut alles, was sie ihm auftragen. Er holt Wasser und Holz für die Küche, wirft Stroh und Heu von der Bühne, füttert das Vieh und putzt die Pferde. Bei jedem Auftrag aber muß man stets sagen: »It ze litzel und it ze viel!«, sonst macht er Dummheiten und in allem das Gegenteil.

Zum Lohn muß man dem Poppele auch alle Tage mitdecken, ihm einen besonderen Teller hinstellen, und zwar immer den gleichen, und sagen. »Poppele iß auch mit!« Unterläßt man das, dann wirft er das Gedeck und alle Speisen durcheinander, bindet das Vieh im Stall los und lebt einem auf jede Weise zuleide. Ebenso muß man ihn einladen, wenn auf das Feld gefahren wird, und sagen: »Poppele, fahr auch mit!« Dann setzt er sich hinten auf das vorstehende Wagenbrett und fährt mit ins Feld. Wird er nicht eingeladen, so passiert dem Fuhrwerk bestimmt etwas.

Einst diente auf der Burg Hohenkrähen eine Magd. Die bekam jedesmal, wenn sie Kühe melkte und dabei etwas von der süßen Milch naschte, von unsichtbarer Hand eine Ohrfeige. Sie kündigte deshalb ihren Dienst auf. Als ihr Herr sie fragte, weshalb sie fort wolle, schwieg sie und wollte nicht so recht mit der Sprache heraus. Endlich gestand sie, daß sie sich beim Melken nicht länger wolle schlagen lassen. »Dann mußt du irgend etwas getan haben, was nicht recht ist, sonst hättest du keine Schläge bekommen.« Die Magd wollte zuerst davon nichts wissen, dann jedoch gestand sie ihre Schuld. »So laß nur das Milchtrinken!« sprach der Herr, »dann wird dir nichts wieder geschehen.« Die Magd befolgte diesen Rat, und seitdem hat sie keine Ohrfeigen mehr bekommen.

 


 

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