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Sagen aus Schwaben

: Sagen aus Schwaben - Kapitel 152
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Das Nebelmännle von Bodman

Vor Zeiten lebte zu Bodman ein Ritter namens Hans von Bodman. Der faßte eines Tages den Entschluß, auf etliche Jahre in die Heidenschaft zu reisen. Nach vielen und mancherlei Abenteuern gelangte er schließlich an ein großes Wasser oder Meer. Hier traf er ein kleines Männlein. Das sprach ihn an und führte ihn in eine Behausung, die ganz mit Gras und Laub bedeckt war. Dort ward er mit Essen und Trinken wohl gehalten. Dabei setzte es ihm mancherlei Wein vor. Darunter war ein Wein, von dem der Ritter sagte, wenn er jetzt daheim wäre zu Bodman, dann würde er meinen, es wäre Wein von seinen eigenen Reben. Das Männlein antwortete darauf, das treffe wirklich zu, der Wein sei Bodmaner Gewächs. Darüber verwunderte sich Hans von Bodman und wollte wissen, wie sein eigener Wein, der nicht gerade als einer der besten angesehen werden könne, so fern hierher in ein fremdes Land gekommen sei. Das Männchen sagte, er sei kein natürlicher Mensch, sondern der Nebel. Darum könne er von überall her Wein bekommen. Außerdem sagte er zu ihm, wenn er seine Weinreben zu Bodman in Zukunft vor Nebel und Schaden behüten wolle, dann solle er nie wieder gegen den Nebel läuten lassen. Sie schieden hierauf voneinander, und das Männlein riet ihm, er möge nun die Heimreise nach Bodman antreten, was der Ritter auch befolgte.

Während nun so der Ritter sich in der Fremde aufhielt und seine erwachsenen Kinder zurückgeblieben waren, da kamen die Tochtermänner und Schwäger samt ihren Weibern oft nach Bodman wie es nach dem Sprichwort heißt: Ist die Katze aus dem Haus, so tanzen die Mäuse.

So kamen sie auch einmal an St. Johanns Sonnwend auf die Burg: Herr Hans von Schellenberg, Heinrich von Blumeck und Gottfried von Krähen, jeder mit seiner Frau, alle Töchter des Hauses von Bodman. Sie wurden von ihrem Bruder und Schwager Konrad von Bodman wohl empfangen. Sie waren den ganzen Abend fröhlich und ausgelassen und ahnten nicht, was für ein Unglück sie treffen sollte. Nach dem Nachtisch fingen sie an zu tanzen und hatten allerlei Kurzweil miteinander, ließen sich auch nicht durch ein starkes Gewitter, das über dem Schloß heraufgezogen war, von ihren Vergnügungen abhalten. Auch als die Diener erschienen und ihnen von feurigen Kugeln und Strahlen über dem Schloß berichteten, machte das keinen Eindruck auf sie. Sie kehrten sich nicht daran und merkten auch nichts. Mit der einbrechenden Nacht aber schlugen Blitze und feurige Kugeln in das Schloß, so daß im ganzen Haus mit einem Schlag ein Feuer ausbrach. An eine Rettung war nicht mehr zu denken, da die Flammen überall tobten. Und so wenig sie vorher jede Vorsicht beachteten, um so mehr baten sie nun Gott um Gnade und Verzeihung und ergaben sich geduldig dem Tode. Das geschah im Jahre 1307.

Bald nach diesem Unglück kam der Ritter Hans von Bodman wieder ins Land. Er fand nur noch Trümmer der Burg vor. Er hat sie nicht mehr aufgebaut, sondern eine neue errichtet. Und von der Zeit an hat man in Bodman bis auf den heutigen Tag nicht mehr gegen den Nebel geläutet.

 


 

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