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Sagen aus Schwaben

: Sagen aus Schwaben - Kapitel 109
Quellenangabe
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Die Margaretenglocke zu Waldkirch

In der Stifskirche zu Waldkirch hängt eine große Glocke, sie heißt Margareta. Sie wurde auf dem Friedhof in einem noch sichtbaren Loche gegossen. Dabei wurde ein ganzer Haufen geopferten Silbers unter das Erz gemischt. Dadurch bekam sie den schönen Klang, der weit und breit im Lande gehört wird. Nicht nur schwere Gewitter vertrieb sie, sondern auch eine Schar Hexen, die einst mit gläsernen Äxten den Kandelfelsen durchhauen und den See, welchen er verschließt, auf das Waldkircher Tal loslassen wollten.

Weil die Glocke kostbar war, suchten die Freiburger sie für ihr Münster zu bekommen. Sie boten dafür dem Stift so viel Kronentaler, als sich auf dem Weg von Freiburg nach Waldkirch in einer zusammenhängenden Reihe würden legen lassen. Auf diesen Handel gingen die Stiftsherren ein und empfingen die Bezahlung. Eine Woche später kamen die Freiburger mit neun Wägen, um die Glocke abzuholen. Sie war nur aus dem Turme zu bringen, indem man ein großes Loch in die Mauer schlug. Und nur mit Mühe konnte sie aufgeladen werden. Noch im Orte drückte sie beim Wegfahren drei der schweren Wägen zusammen. Da ließen die Freiburger sie liegen und einen eisernen Wagen machen. Darauf luden sie nun die Glocke und brachten sie bis zum Bad An der Enge«. Hier sank der Wagen ziemlich tief in den Boden; er wurde zwar wieder herausgehoben und bis an die Waldkircher Banngrenze gezogen, war aber, obwohl zweiunddreißig Pferde vorgespannt waren, schlechterdings nicht mehr weiter zu bringen. Nun endlich erkannten die Stifsherren des Himmels Willen, kündigten den Freiburgern den Handel auf und ersetzten ihnen den Kaufschilling und die übrigen Auslagen. Um die Glocke nach Waldkirch zurückzubringen, schoben der Vogelbauer und der Schwefelbauer drei neue Tragbäume auf einen gewöhnlichen Wagen, spannten zehn Ochsen davor und führten damit die Glocke ohne Mühe in das Stift. Als sie dort wieder im Turme hing, begann sie von selbst zu läuten, und alle Leute, die sie hörten, verstanden, was sie sagte:

»Margareta heiß ich,
Alle schwere Wetter weiß ich,
Alle schwere Wetter kann ich vertreiben,
Und im Glockenturm zu Waldkirch will ich bleiben!«

 


 

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