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Sagen aus Schwaben

: Sagen aus Schwaben - Die alte Urschel
Quellenangabe
typelegend
booktitleDas groe Deutsche Sagenbuch
note0953
editorHeinz Rlleke
isbn3-491-96027-4
publisherAlbatros-Verlag
year2001
created20020117
titleDie alte Urschel
senderhille@abc.de
authorberlieferung
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Die alte Urschel

Seit vielen hundert Jahren lebt eine verwünschte Frau im Urschelberg bei Pfullingen; man nennt sie nur die alte Urschel. Sie erscheint manchmal in schwarzen, manchmal in weißen Kleidern. Immer hat sie einen Schlüsselbund an der Seite.

Vor etwa zweihundert Jahren lebte zu Pfullingen ein Bursche namens Michael Weiß. Der fand als Knabe einmal am Fuße des Berges ein Pferdekummet. Er nahm es auf, aber sogleich verwandelte es sich unter seinen Händen in die Urschel aus dem Berg. Sie war von kleiner, zierlicher Gestalt, trug einen Schlüsselbund und begleitete von nun an den jungen Burschen, wenn er auf dem Urschelberg erschien. Kam er mit Wagen und Pferden, so bremste sie bei der Abwärtsfahrt den Wagen, indem sie sich ins Rad stellte, und zwar von der Steig am Urschelhohberg bis nahe vor Pfullingen. Sie sprach auch mit dem Burschen und erzählte ihm mancherlei. Das ging so, bis der Michel verheiratet war und schon vier Kinder hatte. Eines Tages sagte sie zu ihm, sie sei von ihrer Schwester hierher verwünscht worden, und er sei ausersehen, sie zu erlösen. Sie werde ihm erscheinen halb als Schlange, halb als Jungfrau, und dann müsse er sie küssen. Darauf werde ein schwarzer Pudel seinen Rachen gegen ihn aufreißen, aber das habe nichts zu bedeuten. Sie werde ihm eine Rute reichen, und er könne damit den Pudel, der auf einer Kiste sitze, leicht vertreiben. Das Geld in der Kiste gehöre dann ihm. Auch werde über seinem Haupt ein Mühlstein an einem Zwirnsfaden hängen, allein auch das sei nicht gefährlich, wenn er nur still halte und sich überhaupt nicht muckse; wenn er aber einen Laut von sich gebe, sei er verloren.

Michel erschrak zuerst über diese Ankündigung, dann machte er eine Bedingung und sagte, er wolle das alles nur tun, wenn seine Eltern mitkämen. Das wollte jedoch die Urschel nicht zugeben, und so unterblieb die Erlösung. Die Urschel setzte ihm noch eine Zeitlang zu mit Bitten und Flehen; dann sagte sie ihm schließlich, daß er auf alle Fälle zu einer bestimmten Zeit sterben müsse, er möge sie nun erlösen oder nicht. Trotzdem war Michel nicht mehr umzustimmen und starb genau an dem Tag, den die Urschel vorausgesagt hatte. Da soll sie bitterlich geweint und gesagt haben, wenn ein Hirsch eine Eichel in den Boden trete und aus der Eichel ein Baum und aus dem Holz des Baumes einmal eine Wiege werde, so könne das erste Kind, das da hinein komme, sie einmal erlösen.

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