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Sagen aus Schleswig-Holstein

: Sagen aus Schleswig-Holstein - Kapitel 96
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Pidder Lüng

Verheiraten konnte sich keiner der Hörnumer, daran war nicht zu denken. Sie hatten keine ordentlichen Wohnungen und Möbel, kein Vieh, keine Gärten, keine Äcker und konnten sich selber im Winter oft nur notdürftig ernähren und sich im Frühjahr wieder zum Fischfang ausrüsten. Es gebrach ihnen sogar an eigenen Fischerfahrzeugen, Fischerleinen, Netzen und anderen Geräten. Deshalb mußten viele von ihnen für Lohn arbeiten und sich alljährlich als Gehilfen oder Matrosen verdingen, am häufigsten auf Helgoländer Fischerfahrzeugen.

Nur Jakob Lüng hatte ein ordentliches Haus und ein freilich altes, aber noch immer starkes und brauchbares größeres Schiff, das er von seinem Vater geerbt hatte. Auch hatte er immer Geld genug, um im Notfalle den übrigen Hörnumer Fischern damit zu Hilfe zu kommen. Im übrigen lebte er mit seiner Frau still und zurückgezogen im Dünental, ging seinen Geschäften als Fischer nach, sprach wenig, kümmerte sich überhaupt selten um das Tun und Treiben anderer Menschen und kam nicht oft nach anderen Gegenden und Dörfern der Insel.

Eines Jahres schenkte ihm seine Frau einen kleinen Sohn, den er Peter taufen ließ, der aber von seinen Landsleuten gewöhnlich Pidder Lüng und später, als er herangewachsen war, wegen der Länge seines Leibes und seiner Glieder oft der lange Peter genannt wurde.

Im übrigen gab es für den einzigen Prediger in Rantum, nämlich den Herrn Einerlei, in vielen Jahren auf Hörnum nichts zu tun und keine Gebühren zu erheben. Trauungen und Kindtaufen kamen dort nicht vor, und Beerdigungen pflegten im Meer oder in der Stille auf alten Kirchhöfen in den Dünen zu geschehen. Zur Kirche gingen die Hörnumer Fischer nicht. Beichte und Ablaß, Heiligen- und Bilderverehrung waren ihnen vollends zuwider. Fegefeuer und Hölle schienen sie nicht zu fürchten; priesterliche Drohungen und Bannflüche aber verlachten sie. Als der Priester Georg durch Drohungen und Bannsprüche nichts bei ihnen ausrichtete, versuchte er durch Schmeicheleien mindestens einige Opfer und Zehnten von ihnen zu gewinnen. Glatten Worten schienen jedoch die Fischer unzugänglich zu sein. Als der habsüchtige Priester sie wiederholt aufforderte, ihm statt der Geldgebühren einen Teil ihrer gefangenen Fische zukommen zu lassen, konnten sie aber, wie es schien, nicht länger widerstehen und versprachen, ihm zu willfahren.

Eines Tages nun kam einer der Fischer mit einem großen, schweren Sack auf dem Rücken zu Herrn Georg und sagte zu ihm, daß er ihn von seinen Kameraden, den Hörnumer Fischern, grüßen und ihm einen Teil ihres Rochenfanges bringen solle. Der Priester wurde froh, gab dem Überbringer einen Trinkpfennig und nahm den Sack in Empfang. Er öffnete ihn, nachdem der Fischer sich schnell wieder entfernt hatte. Allein – wie war er enttäuscht und erbittert! Der Sack enthielt nämlich lauter »Rochelprotter«. Das sind Stacheln von Giftrochen, von Fischen, die damals sehr häufig bei Hörnum gefangen wurden.

Das hatte Herr Georg den Hörnumern nicht zugetraut! Sein Ingrimm gegen sie war jetzt grenzenlos. Er sah, daß bei den Fischern mit Güte ebensowenig wie mit Drohungen etwas auszurichten war. So wandte er sich an die Obrigkeit mit der Bitte, Vögte zu entsenden, um die halsstarrigen und unbußfertigen Fischer und Strandräuber auf Sylt zu bändigen. Und siehe, seine Bitte wurde erfüllt. Es waren indessen auch schon zu dieser Zeit in Eiderstedt, auf Nordstrand und Föhr Land-- und Strandvögte angestellt worden. Aber man hatte bisher noch nicht an das abgelegene Sylt gedacht und am allerwenigsten daran, daß in Rantum ein Strandvogt sein müßte. Auf solche Weise bekamen die Sylter ihre ersten Vögte. Von ihnen heißt es, daß die Leute und besonders die Hörnumer Fischer nichts nach ihnen fragten, ihnen nicht gehorchen wollten.

Doch jetzt erst noch etwas von Pidder Lüng, dem Sohn des Jakob Lüng. Als er noch klein und jung war, hielten die Fischer ihn oft zum besten, um ihren Spaß mit ihm zu haben und sich in müßigen Stunden die Zeit zu vertreiben. Wenn der kleine Pidder zuletzt jedoch merkte, daß die Fischer ihm etwas weisgemacht hatten, lachten sie ihn noch dazu aus. Dadurch wurde der Junge mißtrauisch und glaubte außer seinen Eltern niemandem mehr.

Eines Tages hatte er sich ziemlich weit von der elterlichen Wohnung entfernt. Er lag in einem Dünental und pflückte sogenannte Hungerblumen, um damit zu spielen. Da trat ein Mädchen aus NeuRantum von hinten leise zu ihm und hielt ihm die Hände vor die Augen, so daß er nichts sehen konnte. Pidder schrie laut auf und kratzte die Hände des Mädchens. Da zog es die Hände zurück, und er konnte wieder sehen.

»Die Blumen, die du gepflückt hast, sind häßlich«, sprach das Mädchen.

»Nein«, antwortete Pidder zornig, »sie sind schön.«

»Aber sie riechen häßlich«, sprach es weiter.

»Nein, sie riechen schön«, entgegnete er.

»Pidder Lüng, wie bist du noch so klein und schwach«, sprach das Mädchen aus NeuRantum.

»Nein«, rief Peter trotzig, »ich bin groß und stark.« »Aber du bist böse.«

»Nein, ich bin nicht böse.«

»Wenn du nicht böse bist, so komm her und gehorche mir!«

»Ich will nicht.«

»Aber, Pidder, komm doch, ich will dich waschen, du bist schmutzig.«

»Nein, ich bin nicht schmutzig, ich will nicht gewaschen sein.«

»Nun, Peter, darf ich denn deine Nase nicht saubermachen?«

»Nein!«

»Willst du nicht meinen Korb tragen, du eigensinniger Junge?«

»Nein, ich will nicht, ich bin nicht eigensinnig.«

»Will Pidder Lüng denn gar nicht hören?«

»Nein, ich will nicht hören!«

»Auch nicht gut werden?«

»Nein, ich will nicht gut werden!«

In solcher Schule wuchs Peter auf. Die Fischer, die ihren Spaß mit ihm hatten, machten ihn mißtrauisch; neckende Mädchen machten ihn eigensinnig. Er war so widerspenstig und hartnäckig geworden, daß er zu allem, was man von ihm verlangte oder worum man ihn bat, niemals ja, sondern immer nein sagte. Nur seiner Mutter, einem weinenden Kinde, der darbenden Armut, dem Jammer und dem Elend der Menschen gegenüber konnte er nicht nein sagen. Da war es, als ob ihm das Herz vor Mitleid brechen müßte. Er war unterdessen groß und stark geworden und half bereits beim Fischfang.

Eines Abends – bei hellem Mondschein und mildem Wetter – blickte er, in Gedanken vertieft, auf die Stätte, wo einst das Haus seines Großvaters gestanden hatte. Es war um die Zeit, als der Priester Georg besonders ingrimmig gegen die Hörnumer wütete, als er veranlaßte, daß die Vögte kamen, welche die alten Freiheiten und Rechte der Sylter zu unterdrücken strebten. Da schien ihm, als ob eine weinende Gestalt händeringend auf dem Herdsteine des alten, verbrannten Hauses saß. Je länger er die Gestalt anschaute, desto bestimmtere Züge nahm sie an, desto mehr überzeugte er sich, daß er ein wirkliches Wesen vor sich sah.

»Wer bist du?« fragte er endlich.

»Ich bin die Stavenhüterin. Wo rechtschaffene, freie Menschen wohnten, da bewache ich die Stätte, wo sie geweilt haben, damit der Ort nicht durch Lug und Trug, durch Unrecht und Unterdrückung entweiht werde. Oh, daß Jens Lüng noch lebte!«

»Warum?« sprach Peter. »Jens Lüng war mein Großvater.«

»Ach«, sagte das händeringende Weib, »möchtest du ihm ähnlich sein, zu wehren mit festem, männlichem Sinn dem Greuel der Verwüstung, der über Friesland immer mehr hereinbricht. Ach, möchtest du retten an Tugenden und Freiheiten, was zu retten ist, oder, wenn du – wie ich fürchte – nicht siegen kannst, im Kampf untergehen nach alter Weise. Lewwer duad üs Slaaw! (Lieber tot als Sklave!)« Peter schwur, tief erschüttert: »Ja! Lewwer duad üs Slaaw! Ich will in die Fußtapfen meines Großvaters treten, so gut ich's kann und verstehe!« Darauf verschwand die edle Stavenhüterin.

Unterdes gingen Jahre hin und änderten nichts. Eines Tages aber hatte Pidder Lüng, der jetzt schon gegen 26 Lebensjahre zählte, für seine alte Mutter, die wie sein Vater besonders gern Grünkohl aß, obgleich dieses Küchengewächs auf Hörnum nicht gedeihen wollte, eine große Tracht Kohl von guten Freunden auf Westerland geholt und auf seinem Rücken heimgetragen. Die Mutter hatte am folgenden Tage den Kohl gekocht. Alle drei freuten sich auf dieses Gericht und saßen eben rings um den Tisch, um sich den herrlichen Kohl wohlschmecken zu lassen. Da öffnete sich die Tür ihres Hauses, und es trat ein junger Mann in kostbarer Kleidung in die Stube. In seinem Gefolge waren der alte falsche Priester Georg, der Landvogt der Insel und der Strandvogt von Rantum.

Der junge Herr grüßte nicht, sondern sagte: »Wohnt hier das Gesindel, welches Gott und der hohen Obrigkeit trotzt?«

Peters Mutter ließ vor Schreck den Löffel fallen. Peter selbst zerbrach den seinigen vor Wut und knirschte mit den Zähnen. Nachdem der langsame, alte Jakob Lüng sich besonnen hatte, antwortete er: »Wir sind kein gottloses Gesindel, sind ehrliche Fischersleute und niemandem etwas schuldig! Wer seid Ihr aber, der Ihr in das Haus eines freien Friesen einzudringen wagt – wie es scheint, nicht in guter Absicht?«

»Wer ich bin, alter Trotzkopf, das will ich dir gleich zeigen. Ich bin von der Obrigkeit hierher gesandt und komme im Namen meines Herrn Vaters, des Amtmanns Henning Pogwisch in Tondern, um euch eures Ungehorsams wegen zu strafen und alles andere trotzige und hochmütige Gesindel auf Sylt zu bändigen. Ihr scheint hier noch keine Ahnung davon zu haben, welche Gewalt die Obrigkeit besitzt noch wie ihr als Untertanen euch gegen sie zu verhalten habt. Das will ich euch lehren, ihr freien friesischen Kohlfresser, die ihr Abgaben mit Rochenstacheln zu bezahlen euch erfrecht!«

Den jungen Pogwisch überkam bei diesen Worten eine starke Anwandlung zum Husten und zugleich eine unwiderstehliche Neigung, seinem Spott und seiner hochmütigen Laune Luft zu machen. Er spuckte in dieser Aufwallung in die Kohlschüssel der Friesen. Da war die Geduld des jungen Pidder Lüng, der bisher stillgeblieben war, zu Ende. Glühend vor Zorn stand er auf Er zitterte an allen Gliedern. »Wer in den Kohl spuckt, soll ihn fressen!« rief er, faßte mit riesiger Kraft den Nacken des Pogwisch und drückte ihm das Gesicht in den heißen Kohl, bis der junge Tyrann erstickte.

»Um Gott, was machst du?« schrie Herr Georg. Jakob Lüng und seine Frau erblaßten. Die beiden Vögte ergriffen feige die Flucht.

Jetzt wurde es draußen lebendig. Die mitgekommenen Fußknechte, Henker und Diener hatten, während das eben Erzählte im Hause Jakob Lüngs vorfiel, sich über die hölzernen, galgenähnlichen Gerüste der Fischer lustig gemacht, woran die Rochen und andere Fische zum Trocknen aufgehängt waren. Spottend sagten sie: »Seht, da sind die Galgen für die Strandräuber schon fertig!« Dabei hatten sie die ungestalten, übelriechenden Rochen bereits heruntergerissen, um den Fischern Platz zu machen. Doch diese waren noch nicht gefangen und nicht gewillt, sich von einer Handvoll Landsknechte gutwillig greifen und hängen zu lassen. Einer der Fischer rief: »Sie wollen wieder Abgaben haben. Wartet nur, wir bezahlen mit Rochenstacheln!« Die Fischer schnitten eiligst ihren Rochen die stacheligen Schwänze ab, und mit diesen gefährlichen Waffen fielen sie über die Knechte des Amtmanns her, hieben ihnen Köpfe und Rücken wund und jagten sie in die Flucht. Jetzt kamen in großer Angst die Vögte und der Priester aus dem Haus des Jakob Lüng.

»Seid ihr blind oder könnt ihr sehen?« riefen die Fischer den Vögten zu.

»Wir sind blind und geschlagen; wir sehen nichts!« antworteten die feigen Vögte.

»Ich verfluche euch in die Hölle, ihr Heiden!« schrie der Priester.

»Aha«, riefen die Fischer, »da ist der Herr Pater Gierig auch; den müssen wir blind machen. Doch nein, wir wollen ihm von den Rochenschwänzen die Zehnten geben. Hört, seid nicht karg gegen ihn. Gebt ihm reichlich!« So schrien die erbosten Fischer einander zu und hieben mit ihren Rochenschwänzen dermaßen auf den falschen Priester ein, daß die giftigen Stacheln ihm die Haut von den Knochen rissen, zum Teil im Fleische steckenblieben und er nur mit genauer Not lebendig nach Rantum zurückkehrte, wo er bald darauf an seinen Wunden starb. So ging es damals auf Hörnum zu!

Nach diesem Aufruhr wurde es dort eine Zeitlang sehr still. Pidder Lüng freilich konnte sich viele Jahre nicht wieder auf Sylt sehen lassen. In dem Ewer seines Vaters fuhr er mit einigen Freunden von Hörnum weg, auf die See und in die Fremde. Viele andere Fischer folgten ihm nach. Wenigstens hieß es so.

Als der böse Amtmann erfuhr, wie es seinem Sohn und seinen Dienern auf Sylt ergangen war, wurde er sehr zornig. Er ließ alle Fußknechte, Soldaten und andere Diener aus dem ganzen Amte zusammenkommen und sandte sie mit den strengsten Befehlen nach Sylt, die Hörnumer Fischer und Stranddiebe tot oder lebendig nach Tondern zu bringen. Als diese jedoch auf Sylt ankamen, waren Pidder Lüng und alle anderen Fischer bereits auf das Meer entflohen.

Nur einige alte, schwache Leute, unter denen sich auch Jakob Lüng und seine Frau befanden, waren noch auf Hörnum. Als diese erfuhren, daß des Amtmanns Knechte und viele andere Diener und Soldaten gekommen wären, um die Hörnumer Aufrührer zu fangen, mußten auch sie sich zur Flucht rüsten. Jedoch Jakob Lüng wollte nicht. Seine Frau sagte zu ihm: »Wenn die Häscher die Schuldigen nicht finden, so werden sie die Unschuldigen mitnehmen und büßen lassen. Wir müssen fliehen.«

»Ich mag nicht fliehen. Ich laufe vor niemandem davon«, antwortete Jakob.

»Aber lieber Mann, sie werden dir das Leben nehmen«, sprach seine Frau.

»Nun, laß sie, ich bin alt genug zum Sterben«, war die Antwort.

Als die Frau sah, daß ihr Mann sich nicht zur Flucht bewegen ließ, ging sie hinaus, um mit den Nachbarn zu sprechen und von sich aus die Rettung herbeizuführen. Gegen Abend kehrte sie wieder heim zu ihrem Mann. Als es dunkel geworden war, zündete sie ihre Lampe an und legte ihre Kleider und notwendigsten Sachen bereit. Kaum war sie damit fertig, so wurde heftig an die Haustür geklopft. Die Frau des Jakob Lüng blies schnell die Lampe aus und ging zur Tür, um aufzumachen. Die hereintretenden Männer sprachen harte und rauhe Worte, welche die beiden Eheleute nur teilweise verstanden. Die Fremdlinge nahmen jetzt mit leichter Muhe den alten, langsamen Jakob gefangen, banden ihm die Hände und führten ihn samt seiner Frau aus dem Hause fort. Die Gesellschaft wanderte in der sehr finsteren Nacht schweigend durch die Dünen nach dem Meer und dann längs des westlichen Strandes nordwärts. Als sie ungefähr drei Stunden gegangen waren, stiegen alle, noch immer schweigend, wieder über die Dünen in das Innere dieses kleinen Gebirges. Sie waren in einer dem alten Jakob Lüng fremden Gegend. Mitten in einem wilden, verborgenen Dünenkessel standen die Reste eines alten, im Sande halb begrabenen Hauses. Hier klopfte man an. Ein kleiner, buckliger Mann, den die Begleiter oder Entführer des alten Ehepaares in der Sylter Sprache anredeten und den sie Pua nannten, öffnete leise die Tür, ließ alle ein und schloß die Tür eilig wieder zu.

Jakob Lüng und seine Ehefrau waren gerettet.

Am folgenden Morgen stürmten die Tondernschen Häscher und Knechte des Amtmanns nach Hörnum, fanden aber das Nest leer. Sie zerstörten das Haus Jakob Lüngs, nachdem sie es wie auch die übrigen Hütten der Hörnumer geplündert hatten. Darauf begannen sie alle Dörfer, Schluchten und andere verborgene Stätten der Insel sowie viele einzelne Wohnungen zu durchsuchen. Sie forderten auch alle wohlgesinnten Sylter auf, ihnen zu Hilfe zu kommen. Es waren aber keine ihnen wohlgesinnten Sylter zu finden, mit Ausnahme allerdings des Priesters Georg. Dieser lag jedoch im Sterben und konnte ihnen nichts mehr nützen. Jetzt wollte man die Sylter zu solcher Hilfeleistung zwingen. Allein sie waren und blieben widerspenstig und rührten sich nicht zur Teilnahme an solchem widerwärtigen Geschäft. Sie schienen vielmehr geneigt zu sein, allesamt die Rochenschwänze in die Hand zu nehmen, um sie gleich den Hörnumern zu gebrauchen und die herrschsüchtigen Fremdlinge damit zu verjagen.

Unterdessen kamen für die Dienstleute des Amtmanns, ehe sie auf Sylt irgendeinen Erfolg hatten, schlimme Nachrichten vom Festland. Als nämlich die Tondernschen Geest-- und Marschharden des Festlandes von den Knechten des tyrannischen Amtmanns entblößt waren, begannen die Bauern auch dort trotzig zu werden. Sie wollten keine Steuern mehr bezahlen und machten Miene, nach Tondern zu gehen, um den bösen Amtmann zu erschlagen. Die Regierung merkte jedoch den Unfrieden und wollte die Grausamkeiten des Amtmanns Pogwisch und seiner Söhne nicht länger dulden.

Sie kam deshalb den Bauern zuvor und ließ den Amtmann absetzen und mit seinen Söhnen aus dem Reiche vertreiben.

 


 

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