Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Schleswig-Holstein

: Sagen aus Schleswig-Holstein - Kapitel 84
Quellenangabe
titleSagen aus Schleswig-Holstein
typelegend
created20020117
senderhille@abc.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der alte Jakob

In alten Zeiten war die ganze Strecke zwischen Schrevendorf und Röpstorf bebaut und ein Dorf. Damals wohnte in Schrevendorf in dem alten Bauernhause nahe am Bornbrook, der früher ein See war, ein Bauer, der hieß der alte Jakob.

Als nun einmal um Fastnacht zwei Lübecker Herrn kamen, um die Abgaben zu holen, waren sie im Dorfe gerade im besten Zuge bei der Fastnachtsgilde und dachten nicht ans Bezahlen, sondern trieben mit den Abgesandten ihren Spott. Diese aber wurden ungeduldig. Da sagte der alte Jakob, daß er sie bald bezahlt machen wollte. Er schnitt dem einen seinen langen Bart weg und stopfte den in den Sack des anderen, und dessen Bart keilte er im Pfosten fest; da hatten sie gute Bezahlung. Die Lübecker aber schwuren dafür Rache.

Bald kamen ihre Soldaten und brachen das ganze Dorf, Haus bei Haus, nieder. Als sie sich aber auch an des alten Jakobs Haus machen wollten, da trat er in die Tür, hieb seine Axt tief in den Pfosten – der Hieb ist da noch zu sehen – und sprach: »Das Haus ist mein, ihr Lübecker Herrn. Und wem das Leben lieb ist, der komme mir nicht heran. So gewiß keiner von euch die Axt da wieder herauszieht, so sicher wird sie jeden treffen, der noch einen Schritt tut.«

Da wagte niemand, Hand an das Haus zu legen. Die Lübecker zogen wieder davon, und Jakobs Haus steht noch bis auf diesen Tag. jetzt ist neben diesem Hof eine lange schmale Koppel. Man nennt sie heute noch die »Höfe«, weil früher dort die Häuser standen.

Später kamen Röpstorf und Schrevendorf an einen Herrn von Pogwisch. Der war nicht damit zufrieden, daß die Bauern ihm nur die Hoftage taten, sondern er verlangte alle ihre Ländereien noch dazu. Der alte Jakob aber sagte, er hätte seine Pflicht geleistet, und mehr könnte die Herrschaft nicht verlangen; sein Land gebe er nicht her. Der Edelmann drohte, aber Jakob gab nicht nach. Da ließ der Herr die Fischteiche öffnen, und Jakobs Haus ward von einem See umgeben. Er aber angelte zum Fenster hinaus, und sooft der Edelmann auch nach Schrevendorf kam und dann von dem Hügel aus, den man noch zeigt, mit Jakob verhandelte, so blieb der doch immer beim alten und gab nicht nach. Da mußte endlich der Edelmann nachgeben und dem Bauern seine Ländereien lassen.

 


 

 << Kapitel 83  Kapitel 85 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.