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Sagen aus Schleswig-Holstein

: Sagen aus Schleswig-Holstein - Kapitel 17
Quellenangabe
titleSagen aus Schleswig-Holstein
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Teufel spukt im Leichnam

in sechzehnten Jahrhundert lebte auf der Hallig Sandstrand ein Mann namens Benno. Der hatte viele Unmündige und Waisen betrogen, Kirchen und Schulen beraubt und großen Reichtum gewonnen, aber niemand wagte sich gegen ihn aufzulehnen.

Plötzlich starb der Mann in einer Nacht und ward mit großer Pracht in einem ausgemauerten Grabgewölbe mitten in der Kirche bestattet. In der nächsten Nacht hörten der Küster und die Nachbarn unversehens einen großen Lärm in der Kirche, so daß sie alle aus den Betten und Häusern hervorkamen. Am Morgen öffnete der Pastor mit seinem Küster und anderen im Namen Jesu die Haupttüre der Kirche, und mit Schrecken sahen sie, daß das Grab jenes reichen Mannes geöffnet und leer war. Kurz darauf erschien der Teufel in Bennos Gestalt, sah die Leute mit wildem Blick an und sprach: An diesem Leichnam wohne ich, er ist mein Eigentum. Die göttliche Gerechtigkeit befiehlt mir, drei Stunden lang bei Tag und drei Stunden lang bei Nacht in der Gestalt dieses Verdammten zu erscheinen. Darum gehet hinweg, oder es wird euch übel ergehen!« Der Pastor antwortete ihm ruhig, er solle aus dem Leichnam weichen, aber der Teufel fing laut an zu lachen und sagte auf friesisch: »Hemm kaant möh nandte düen!«

So wurde der Leichnam einige Wochen von den Würmern nicht verzehrt, sondern blieb frisch und gleichsam lebendig. Und der Satan trug ihn sogar bei hellem Mittag herum zum Schrecken der ganzen Gegend. Da wurden die Priester zusammengerufen, es wurden in allen Kirchen der Insel Gebete angeordnet, und dann ging man mittags gegen elf Uhr dem Teufel mutig entgegen. Dieser wandelte schon herum, aber machte sich eine ganze Stunde lang nichts aus den frommen Bedrohungen und Gebeten. Endlich fing der jüngste unter den anwesenden Priestern an, heftig und mit derben Worten den Teufel auszutreiben. Da bekannte der Satan sich endlich überwunden und rief auf friesisch: »Huort, huort, ek möth förth, dö würst eth düen!« Der Pastor warf mit Bibeln nach ihm und trieb den bösen Geist glücklich in die Hölle hinab. Der Leichnam des reichen Benno aber wurde jetzt von dem Scharfrichter von Husum außerhalb des Ackerfeldes der Insel im Schlamm begraben und mitten durch den Körper ein langer, spitzer Pfahl gestoßen, der bunt bemalt war.

Nicht lange nachher kam ein armer Bauer, dem es sehr an Brennholz fehlte und der von der ganzen Geschichte weiter nichts wußte, und fing an mit kräftigen Armen den Pfahl auszureißen. Da schrie der Teufel sogleich: »Aa, aa, lät jet murr!« Als der Bauer das hörte, stieß er den Pfahl mit aller Kraft wieder in die Tiefe, worauf der Teufel rief: »Dirr dä stör, aß an Schialm!« Der Pfahl hat noch viele Jahre gestanden und ist erst zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts durch eine Wasserflut weggerissen worden.

Ein Enkel des unseligen Bauern war später Ratsherr in Husum; er war ein vortrefflicher und liebenswürdiger Mann, aber beim Pöbel kamen er und seine Kinder nicht ohne Sticheleien weg und mußten oft das spöttische Wort »Benneke Bütendik« hören.

 


 

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