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Sagen aus Schleswig-Holstein

: Sagen aus Schleswig-Holstein - Kapitel 105
Quellenangabe
titleSagen aus Schleswig-Holstein
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Die Zwergenschmiede im Hüggel bei Osnabrück

Wer Glück hat, kann noch jetzt hören, daß im Innern der Erde die Werkstätten der Erdgeister sind. Das hört man zu gewissen Zeiten auch in dem großen Struckberg bei Heiligenhafen, wenn man das Ohr auf die Erde legt. Dann vernimmt man Hämmern und Pochen wie in einer Schmiede. Von altersher gelten ja die Zwerge als Meister in der Schmiedekunst. Die Geschmeide, die sie verfertigen, sind besonders begehrt.

Im Hüggel, einem Berge zwischen Ohrbeck und Hagen bei Osnabrück, wohnte früher ein Zwergengeschlecht, das die »Sgönauken« hieß. Von diesen ließen sich die Leute in der Umgebung allerhand Geräte schmieden, wie Pflugeisen und Ofenroste, wie man sie dort brauchte, um Holz auf den Herd zu legen; besonders die dreifüßigen Roste waren beliebt, an denen auf der einen Seite ein sitzender Hund als Handgriff angeschmiedet war. Diese hießen deshalb »Feuerhunde«.

Die Sgönauken waren unsichtbar, und wer etwas bei ihnen schmieden lassen wollte, mußte einen Bestellzettel auf den Tisch legen, der vor ihrer Höhle stand; Wenn der Besteller dann am andern Tag wieder vorsprach, befand sich die Arbeit fertig auf dem Tisch und daneben lag ein Zettel mit dem Preis, der dafür zu entrichten war. Das Geld mußte man auf den Tisch legen.

Vor langen Jahren hat auch der Hüggelmeier einmal bei den Sgönauken ein Pflugeisen bestellt. Wie er es nun am andern Tage abholte, da stach ihn der Hafer, und statt das Geld hinzulegen, machte er sich eiligst mit dem bestellten Gerät aus dem Staube, und das war sein Glück! Denn auf einmal kam es wie aus der Hölle ganz fürchterlich hinter ihm her. War es ein glühendes Rad oder ein noch glutheißes Pflugeisen? Er hatte kaum Zeit, sich umzudrehen. Eben war er auf seinem Hof angelangt und hatte das Tor zugeschlagen, da schoß das feurige Eisen an den Torpfosten, daß es nur so krachte. Die Stelle, wo das Holz versengt worden war, konnte man noch lange sehen.

Plötzlich schrie ihm eine Stimme nach: »Diesen Betrug soll der neunte Hüggelmeier noch büßen!« Und so ist es auch gekommen: Unglück über Unglück hat den Hof seitdem getroffen.

In letzter Zeit müssen die Hüggelmeier wohl schon über den neunten Sproß hinaus sein, denn Glück und Wohlstand sind auf dem einsamen Hof wieder eingezogen.

 


 

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