Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Schleswig-Holstein

: Sagen aus Schleswig-Holstein - Graf Rudolf auf der Bkelnburg
Quellenangabe
typelegend
booktitleDeutsche Heimatsagen
titleGraf Rudolf auf der Bkelnburg
editorDr. Harry Trommer
publisherKinderbuchverlag Berlin
year1957
pages46-48
senderhille@abc.de
noteK. Mllenhoff, 'Sagen, Mrchen und Lieder der Herzogthmer Schleswig, Holstein und Lauenburg', Kiel, 1845
created19990110
authorberlieferung
Schließen

Navigation:

Graf Rudolf auf der Bökelnburg

Auf der Bökelnburg saß ein Graf Rudolf und hielt die Dithmarschen alle in schwerer Dienstbarkeit. Die Bauern mußten zum Zeichen ihrer Abhängigkeit am Hals einen Klawen (Joch) tragen, mit dem sonst das Vieh im Stall angebunden steht. Sie mußten den Schimpf dulden. Des Grafen Frau aber, die Walburg hieß, hatte ihn zu dieser Härte angestiftet. Sie trieb ihn auch dazu, daß er noch eine große, ungewöhnliche Abgabe in einem Jahr auflegte, in dem erst der Winter so hart war und die Kälte so grimmig, daß die Vögel in der Luft erfroren und herunterfielen. Darauf folgten Teuerungen und Hungersnot, und Menschen und Vieh starben in großer Zahl. Da hielten die Bauern bei dem Grafen an, daß er ihnen das Korn erließe. Er sah wohl ein, daß doch wenig oder gar nichts einkommen könnte, und erließ ihnen also die Abgabe, doch unter der Bedingung, im folgenden Jahr sie doppelt zu entrichten.

Zu dieser Zeit wohnte zwischen Schaafstedt und Eckstedt auf einem großen Hof ein reicher Bauer, ein vornehmer Mann. Den bat der Graf im folgenden Jahr einmal bei sich zu Gast und bewirtete ihn stattlich. Während des Schmauses ließ er Musik machen. Nach einiger Zeit lud ihn der Bauer dafür wieder ein und stellte ein großes Gastgebot an. Wie es früher öfter bei Hochzeiten und Bieren geschah, waren Säcke voll Korn hingestellt und Bretter darübergelegt. Darauf saßen die Gäste. Anstatt des Saitenspiels und der Musik aber ließ der Bauer erst seine Schweine heraus, dann die Schafe, dann das Jungvieh, darauf die Kühe und endlich die Pferde, alle nacheinander. Die trieben mit Springen und Laufen ihre Kurzweil und machten keinen geringen Lärm. Als die Frau des Grafen aber all den Reichtum sah, stiftete sie ihren Mann dazu an, daß er die Pacht ernstlich fordere. Darum hielt er nun auch die Bauern mit Gewalt dazu an, daß sie beide Abgaben, nämlich des vorigen Jahres nachständige und dieses Jahres fällige Pflicht, eines mit dem andern aufbrächten.

Die Bauern aber wurden böse, denn sie hatten gerade erst die ärgste Not überwunden. Daher dachten sie auf Gelegenheit und Mittel, wie sie gleichzeitig ihr Joch ablegen und ihre alte Freiheit wiedererlangen könnten. Das ist ihnen auf diese Weise gelungen:

Als sie am Sankt-Martins-Abend (11. November) das Korn auf die Burg bringen sollten, schickten sie erst einige Wagen mit vollen Säcken voran. Auf den ersten aber setzte sich ein Bauer mit seiner schönen Tochter, die der Bökelnburger Herr wohl leiden mochte. Auf den übrigen Wagen verbargen sich starke Männer in und unter den Säcken, und nebenher gingen nicht weniger starke, als wenn sie das Korn abladen wollten. So fuhren sie eilends hintereinander her. Bald war der Burgraum voll, und etliche hielten, wie verabredet war, unter dem Tor, damit dieses nicht gesperrt werden konnte. Als die vorderen Wagen abgeladen wurden und der Graf keinen Arg vermutete, erscholl von den hinteren Wagen her die Losung: »Röhret die Hände! Snydet de Sacksbände!« Da schnitten sich die Verborgenen heraus. Die Wagenführer und die Sackträger rotteten sich mit ihnen zusammen und mit ihren langen Messern bewaffnet, fielen sie über die Leute in der Burg her. Als die Gräfin die Gefahr bemerkte und. nichts Gutes ahnte, sprang sie aus dem Fenster des Schlosses in das fließende Wasser hinein, das bis auf den heutigen Tag nach ihr die Wolbersaue (Walburgsaue) heißt. Den Grafen aber suchte man überall vergebens. Als man nun das Schloß schleifte und zerstörte und schon der dritte Tag da war, beobachtete man, wie die Elster, die der Graf gezähmt t und zur Kurzweil stets bei sich gehabt hatte, vor einem verborgenen Gang saß und immer seinen Namen rief. Da zog man ihn hervor, erstach ihn und riß vollends alles nieder, daß weiter keine Spur als der große Ringwall übrigblieb.

 << Pingel ist tot!  Den Nis Puk nicht necken! >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.