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Sagen aus Schleswig-Holstein

: Sagen aus Schleswig-Holstein - Der Wassermann in der Mühle zu Steenholt
Quellenangabe
typelegend
titleDer Wassermann in der Mühle zu Steenholt
booktitleSagen aus Deutschland
publisherCarl Ueberreuter
year1953
senderjuergen@redestb.es
authorÜberlieferung
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Der Wassermann in der Mühle zu Steenholt

In Steenholt lebte einmal ein Müller, der das Unglück hatte, daß ihm alle sieben Jahre seine Mühle abbrannte, immer am gleichen Tag, und zugleich wurden jedesmal auch alle Leute getötet, die sich in der Mühle aufhielten. Nun kam eines Tages ein Müllergeselle daher, der gerne Arbeit haben wollte; doch der Müller meinte warnend, er könne ihm keine Arbeit geben; in zwei Tagen sei es gerade sieben Jahre her, daß seine Mühle niedergebrannt sei, und an diesem Jahrestag werde sie wieder abbrennen.

Der Geselle schlug vor, der Müller möge ihm die Mühle schenken, dann werde sie nicht abbrennen.

Der Herr erwiderte: »Dat könnt wi versöken. Wenn em de Möl nich upbrennt, so will ik se em schenken, un min Dochter sall he darto hebben!«

Als nun die Nacht anbrach, blieb der Müllergeselle ganz allein in der Mühle und verriegelte Fenster und Türen. Schlag zehn Uhr klopfte es an die Tür. Der Müllergeselle wollte niemand einlassen und rief: »Hier wart hüt Nacht allens umbröcht, wat in de Möl is; blif du man buten.«

Der Mann draußen widersprach: »Lat he mi man in; kann sin, ik kann hüt Nacht sin Retter warren.«

Der Geselle ließ also den Fremden ein und nötigte ihn zu Tisch. Und wie er dann Licht machte, sah er einen Mann eintreten, der einen großen Bären bei sich hatte.

Nun schlug es Mitternacht. Da sprang plötzlich die Tür auf und der Waterkärl (Wassermann) tappte herein, splitternackt, und warf zwei große Fische auf den Tisch; diese sollten sie ihm kochen. Sie brachten die Fische also ans Feuer und fingen an, sie zu kochen. Sobald sie gar waren, meinte der Mann mit dem Bären: »Nu mütt ik min Gesellen da ok mit to nödigen«, und nahm dem Bären den Maulkorb ab.

Der Bär wollte nun mit dem Wassermann essen, aber dieser war damit nicht einverstanden. Nun begann der Bär mit dem Wassermann zu raufen, kratzte und biß ihn und wurde seiner Herr, so daß der ungebetene Gast zuletzt blutend wieder zum Fenster hinaus mußte.

In dieser Nacht brannte die Mühle nicht ab. Der Müllergeselle heiratete die Müllerstochter und bekam die Mühle dazu.

Als nun die sieben Jahre um waren, ging der Müllerknecht einmal am Mühlteich spazieren. Plötzlich steckte der Waterkärl den Kopf aus dem Wasser und fragte: »Hest du de grote Katt (Katze) noch, de för säwen Jor bi di weer?«

Da erwiderte der Müller: »Ja, de liggt ünnen Awen (Ofen) und hett säwen Junge.«

Darauf knurrte der Wassermann mißmutig: »So will ik in minen ganzen Läwen nich werrerkamen.« (wiederkommen.)

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