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Sagen aus Schlesien

: Sagen aus Schlesien - Kapitel 45
Quellenangabe
titleSagen aus Schlesien
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Das Bild in der weißen Kapelle zu Oberglogau

Auf dem Weg von Oberglogau nach Leobschütz liegt eine kleine weiße Kapelle. Der Wanderer, der dort eintritt, um zu beten, läßt seinen Blick wohl sinnend auf dem Altarbild ruhen. Eine Edelfrau mit ihren Kindern und Dienerinnen ist dort dargestellt. Sie sitzen in einem altertümlichen Reisewagen. Die wild sich bäumenden Pferde rasen vorwärts, vor ihnen schäumen die hochangeschwollenen Fluten eines Flusses. Über allen schwebt in den Wolken das Bild der Gnadenmutter.

Früher lag dort, wo die Kapelle jetzt steht, ein dichter, dunkler Wald. Schlecht waren die Wege und schwankend die Brücken, die über den nahen wilden Fluß führten. Durch diesen Wald kam einst die Gräfin Oppersdorf mit ihren Kindern des Weges gefahren.

Schon waren sie mit dem schweren Wagen auf den holperigen Wegen bis Mochau gelangt. Da kam, als sie eben den Ort hinter sich ließen, ein heftiges Gewitter heraufgezogen. Gerade bei dem Flusse, der von heftigen Regengüssen hoch angeschwollen war, scheuten die Pferde vor einem grell niederfahrenden Blitz. Sie rasten auf die Fluten zu und ließen sich weder durch Rufe, noch mit dem Zügel bändigen. Hilflos sah die Gräfin sich und ihre Kinder dem schrecklichen Tod des Ertrinkens preisgegeben. In ihrer Verzweiflung zuckte ihr ein rettender Gedanke durch den Sinn: Gelobe Maria, die dir schon so oft geholfen hat, ein Kirchlein, und sie wird dich auch diesmal nicht verlassen! – Und wie von unsichtbaren Händen gehalten, standen die Pferde plötzlich, ließen sich auf den Weg zurückleiten und zogen nun ruhig und sicher den Wagen dem nahen Schlosse zu.

Verstört, aber wohlbehalten langten die Gräfin und ihre Kinder nebst den Dienerinnen in düsterer Nacht im Schlosse an. Der Graf empfing sie erleichterten Herzens. Denn er hatte alle schon lange erwartet und gefürchtet, daß ihnen ein Unglück zugestoßen sei. Nun erzählte ihm seine Gemahlin, wie sie tatsächlich in großer Lebensgefahr geschwebt seien und wie wunderbar sie die Muttergottes daraus gerettet habe. Auch daß sie ein Gelübde getan, dort ein Kirchlein zu bauen, teilte sie ihrem Gatten mit. Der Graf willfahrte dem Wunsch seiner frommen Gemahlin und ließ an der Stelle, wo die Pferde vor den Fluten stillhielten, eine Kapelle erbauen.

Zur Erinnerung an diese wunderbare Rettung steht heute noch das Bild am Altar und zeugt von Gottes Macht und Güte.

 


 

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