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Sagen aus Schlesien

: Sagen aus Schlesien - Die Seelen der Ertrunkenen
Quellenangabe
typelegend
booktitleDas große Deutsche Sagenbuch
note0421
editorHeinz Rölleke
isbn3-491-96027-4
publisherAlbatros-Verlag
year2001
created20020117
titleDie Seelen der Ertrunkenen
senderhille@abc.de
authorÜberlieferung
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Die Seelen der Ertrunkenen

So oft sich der Wassermann zeigt, sagt man im nordöstlichen Böhmen, so ertrinkt jemand, und am schwarzen Sonntag, dem Totensonntag, geschieht das gewiß. Der Wassermann sperrt die Seelen der Ertrunkenen unter Käsenäpfe (kleine, runde Näpfchen in der Größe und Gestalt einer Tabaksdose). Ihre Zahl ist so groß, daß der Wassermann hofft, auf den jüngsten Tag so viele Seelen zu haben wie der liebe Gott.

Ein Mädchen, so erzählt man um Trautenau, war beim Wassermann im Dienst. Es hatte alle häusliche Arbeit zu tun, die es da in dem großen prächtigen Hause gab. Eines Tages war der Wassermann nicht zu Hause, nur sein Weibel saß in der Stube. Das Mädchen ging wie gewöhnlich seiner Arbeit nach, räumte in der Stube zusammen, kehrte die Dielen, wischte Staub und kam dabei auch an den großen Kachelofen, um den rings auf dem Kranze eine Menge Käsenäpfe standen. Schon lange war sie neugierig, was wohl darunter sein möchte, allein der Wassermann hatte ihr streng verboten, sie anzurühren oder gar zu öffnen. Heute aber war er nicht zu Hause, und da lüftete sie den Deckel von einem Käsenapf – und sieh, da floh eine kleine weiße Taube heraus und davon. Darüber erschrak die Magd nicht wenig und ebenso sehr auch das Wasserweibel, das den letzten Teil der Arbeit mit angesehen hatte. Ihm bangte für das Leben der Magd, denn sie mochte das Mädchen gerne. Darum sagte sie zu ihm: »Wenn der Wassermann nach Hause kommt und sieht, was du getan hast, wird er wütend und bringt dich vielleicht um. Ich kann dir nur eines raten, stelle dich hinter den Holunderbusch draußen im Garten und bleibe dort stehen, mag dir der Wassermann auch sagen und versprechen was er will. Dort bist du sicher vor ihm. Wenn sich sein Zorn gelegt hat, wird er dich wieder rufen und zu dir sprechen: »Komm, ich tu dir nichts!« Sobald er das gesagt hat, kannst du aus dem Strauch heraustreten.«

Und wie das Wasserweiblein vorausgesagt hatte, so geschah es auch. Der Wassermann tobte, aber er konnte dem Mädchen nichts anhaben. Und als er sich beruhigt hatte und gesprochen: »Komm her, ich tu dir nichts«, da verließ das Mädchen den Strauch, und der Wassermann sagte: »Nun kannst du nicht mehr bei mir bleiben, aber du magst noch einmal auskehren, und das Kehricht soll dann dein Lohn sein.« Und das Mädchen packte seine Sachen, kehrte die Stube noch einmal, nahm das Kehricht in die Schürze und verließ den Wassermann. Es hatte es aber so eilig, daß es, kaum als es an die Oberfläche gelangt war, einen Teil von dem, was es in der Schürze hatte, verschüttete, ohne es zu merken. Zu Hause, als es die Schürze auftat, zeigte es sich, daß es lauter Gold gewesen war. Nun tat es ihr wohl leid, so wenig behalten zu haben, aber das wenige hatte das Gute, daß es nicht abnahm.

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