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Sagen aus Schlesien

: Sagen aus Schlesien - Die Windsbraut
Quellenangabe
typelegend
booktitleDas groe Deutsche Sagenbuch
note0419
editorHeinz Rlleke
isbn3-491-96027-4
publisherAlbatros-Verlag
year2001
created20020117
titleDie Windsbraut
senderhille@abc.de
authorberlieferung
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Die Windsbraut

Vor hundert Jahren gehörte das Haus Nr. 107 in Agnetendorf im Riesengebirge einem Manne namens Sommer, bei dem sich alljährlich stets um dieselbe Zeit ein schwarz und unheimlich aussehender, fast wie ein Geistlicher gekleideter Fremdling einstellte und Nachtquartier verlangte. Der Fremde gab sich für einen »Welschen aus Italien« aus und suchte den Sommer zu bereden, ihn zu begleiten, er wolle ihm mancherlei Schätze im Riesengebirge zeigen. Allein Sommer fürchtete sich vor ihm und ging nicht mit. Das eine Jahr blieb der Welsche aus, anstatt seiner aber erhob sich, wie Sommer beim Futtermachen gewahrte, das von einem Winde emporgewirbelte Heu in Form einer menschlichen Gestalt. Da schleuderte Sommer sein langes, scharfes Messer in den Wirbel, worauf die Gestalt, zugleich aber auch das Messer verschwanden.

Drei Tage später tritt der Welsche, der jedoch etwas hinkt, wieder in Sommers Haus und redet ihm gütlich zu: er habe ihn nun ja schon öfters besucht, er möge doch nun auch einmal mit in seine, des Welschen, Heimat kommen, um zu sehen, wo und wie er wohne, und wie alles bei ihm eingerichtet sei. Da erwidert Sommer: »ja, ich will mit dir gehen, aber sehr weit kann ich nicht; ich bin schon zu alt.« Hierauf breitete der Welsche seinen Mantel aus, auf dem die beiden Platz nehmen. Der Mantel trägt sie alsbald durch die Lüfte bis zu einer großen, wunderschönen Stadt, zu einem prächtigen, sechsstöckigen Hause, dem Hause des Welschen. In fürstlich eingerichteten Räumen wird hier dem Sommer ein leckeres Mahl vorgesetzt, und er erblickt voller Verwunderung neben seinem Teller das Messer, das er in den Heuwirbel geschleudert hatte. Auf Sommers Ausruf: »Wie kommt mein Messer hierher?« erwiderte der Welsche in freundlich-ernstem Tone: »Ich habe dir Gutes erweisen und dir die Schätze in deinem Gebirge zeigen wollen. Anstatt mir zu folgen, hast du dein Messer nach mir geworfen und mich am Beine verletzt. Das tue künftig nicht wieder.« Trotz seines gütigen Wesens flößte aber der Welsche dem Sommer Furcht ein, und er verlangte dringend heim nach Agnetendorf. Da breitete der Welsche abermals seinen Mantel aus, sie flogen durch die Lüfte bis zum Sommerschen Häuschen zurück. Dann flog der gefürchtete Fremdling mit den Abschiedsworten: »Wenn du etwas finden willst im Gebirge, so denke an mich und rufe mich« auf seinem Zaubermantel wieder davon.

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