Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Schlesien

: Sagen aus Schlesien - Eichendorff und die weie Frau
Quellenangabe
typelegend
booktitleDas groe Deutsche Sagenbuch
note0429
editorHeinz Rlleke
isbn3-491-96027-4
publisherAlbatros-Verlag
year2001
created20020117
titleEichendorff und die weie Frau
senderhille@abc.de
authorberlieferung
Schließen

Navigation:

Eichendorff und die weiße Frau

Storm wurde von Eichendorff, der ja aus Oberschlesien stammte, einmal erzählt: sie hätten als junge Leute von Spukgeschichten gesprochen; da habe der Besitzer des Nachbarschlosses bei ihrem Spott gesagt: Ich kann darüber mit euch nicht lachen, denn in meinem eigenen Schlosse geschehen wunderbare Dinge. Ich lade euch alle ein, morgen zu mir auf mein Schloß zu kommen. Die Freunde versammelten sich also am nächsten Abend beim Grafen. Einige Minuten vor 12 Uhr erhob sich der Graf und bat die Freunde, ihm zu folgen. Er führte sie durch dunkle Korridore bis zur breiten Treppe, die durch alle Stockwerke des Schlosses ging. Am Fuße der Treppe machte er vor einer hohen eisenbeschlagenen Tür Halt und erklärte, daß es seit hundert Jahren niemand gelungen sei, diese Tür zu öffnen. manchmal, in dunklen Winternächten aber gehe die gespenstische Tür von selbst auf und es erscheine eine schlanke Frauengestalt, die die Treppe hinaufeile. Ein junger Diener, der am gleichen Tage in Dienste des Grafen getreten war und darum von diesem Schloßspuk keine Ahnung hatte, hielt am Fuße der Treppe eine brennende Kerze. Stumm und erwartungsvoll standen die Freunde in einem Kreise; nur Eichendorff lehnte mit dem Rücken an die gespenstische Tür. Da fühlte er plötzlich, wie die Tür hinter ihm langsam zurückwich, er wandte sich erschrocken um und alle erblickten eine schlanke Frauengestalt, Gesicht und Haar mit einem grauen Schleier umhüllt, die die Treppe hinaufeilte. Der junge Diener hielt die Dame für eine durchaus natürliche Erscheinung und überholte sie, um ihr auf den Stufen voranzuleuchten. Auf halber Höhe teilte sich die Treppe, der Diener bog links ab, aber auf eine nach rechts weisende Bewegung der Dame wandte er sich und leuchtete ihr weiter. Da vernahmen die Freunde plötzlich einen furchtbaren Schrei und das Licht erlosch. Lange standen sie in stummem Grauen da. Endlich faßte sich Eichendorff, er tastete sich in den Saal zurück und erschien dann mit einem zweiten Leuchter mit brennenden Kerzen. In Begleitung des Grafen stieg er die Treppe empor und auf der obersten Stufe sahen sie den jungen Diener mit dem Gesicht auf dem Teppich liegen. Eichendorff wandte sanft das Gesicht um und jetzt erkannte man, daß der junge Diener tot war. Seine Züge aber waren durch den Ausdruck des tiefsten Entsetzens völlig entstellt. Die gespenstische Frau jedoch war und blieb verschwunden. Vielleicht, so fügte Eichendorff seinen Worten zu, hat sie ihren Schleier zurückgeschlagen und dem Knaben ein Totengesicht gezeigt.

 << Die sieben Riesen im Spitzberge zu Schwiebus  Die Sibylla im Turm >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.