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Sagen aus Schlesien

: Sagen aus Schlesien - Petrus und der Teufel
Quellenangabe
typelegend
titlePetrus und der Teufel
booktitleSagen aus Deutschland
publisherCarl Ueberreuter
year1953
senderjuergen@redestb.es
authorÜberlieferung
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Petrus und der Teufel

Sankt Petrus traf eines Tages bei einer Wanderung auf Erden den Teufel, der ihm seine Begleitung antrug. Petrus wies ihn nicht ab. So zogen sie denn gemeinsam durch die dichten Beuthener Wälder vom Morgen bis zum Abend und kamen schließlich in ein Dorf. Der Weg zweigte hier nach zwei Seiten ab. Von einer Seite her hörte man Kinder weinen, von der anderen scholl lustige Tanzmusik.

Petrus fragte den Teufel: »Wohin sollen wir unsere Schritte lenken?«

»Natürlich zur Tanzmusik«, erwiderte der Satan. Nun gingen sie der Richtung nach, aus der die Tanzmusik erklang, und fanden ein Gasthaus, das voller Menschen war. Der Wirt aber hatte kein Quartier für die beiden.

»Wir feiern Kirchweih heut, wollt ihr oben auf dem Zigeunerofen schlafen, dann meinetwegen«, sagte er und wies auf den mächtigen Ofen, der in der Schankstube stand. Die beiden Wanderer waren einverstanden und kletterten auf den Ofen.

Der Teufel zupfte Petrus am Rock und bat: »Laß mich vorne liegen und lege du dich hinten hin. Du bist müder als ich. Ich möchte noch ein bißchen zusehen.«

Petrus tat ihm den Gefallen, nahm seinen Rosenkranz und betete; der Teufel aber erfreute sich an der Lust der tanzenden Bauern. Diese stampften die Dielen und schrien: »Juchhuhu, juchhuhu...!«

Auf einmal entstand aus irgendeiner Ursache ein Streit unter ihnen. Es dauerte nicht lange, und die schönste Schlägerei war im Gang. Der Teufel hatte seine Freude daran, klatschte in die Hände und schrie: »So ist's recht, immer zu, immer zu!«

Das hörte ein Bauer, der gerade seine Hände frei hatte, und rief:

»Was schreist du da oben immer zu, na warte...«

Mit einem Satz holte er sich den Teufel vom Ofen herunter und prügelte ihn windelweich durch. »So, nun hast du dein 'Immer zu'!«

Der Teufel kroch stöhnend auf den Ofen und ächzte: »Petrus, ich hab, nun schon genug gesehen, leg du dichjetzt einmal vorne hin!«

Petrus lächelte ein wenig und erfüllte ihm den Wunsch.

Inzwischen hatten sich die Bauern wieder versöhnt, tanzten und riefen von neuem: »Juchhuhu, juchhuhu!« Das ging so eine Weile fort. Die Dielen zitterten, die Fenster klirrten von dem Gestampfe der Tänzer, und der Jubel hatte seinen Höhepunkt erreicht. Da stieß einer der Tanzenden an den anderen an, daß er hinfiel. Dieser sprang auf und tobte zornig: »Ein Bein willst du mir stellen, na warte, du Lump!« Bald gab es wieder eine wüste Prügelei. Der Teufel duckte sich und muckste sich nicht.

Nachdem die Bauern sich gehörig braun und blau geschlagen hatten und keine Lust mehr verspürten, sich weiter zu unterhalten, meinte einer, sich nach allen Seiten umsehend: »Nun haben sie alle etwas abbekommen!«

»Nein«, rief ein anderer, »der dort hinten auf dem Ofen liegt, hat noch nichts bekommen.«

Da holten sie den Teufel zum zweitenmal herunter und verprügelten ihn, daß es eine Lust war. Ganz zerschlagen kletterte er endlich wieder heulend auf den Ofen und sagte unter Tränen zu Petrus: »Das nächstemal wollen wir doch lieber dorthin gehen, wo die Kinder weinen.«

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