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Sagen aus Sachsen

: Sagen aus Sachsen - Kapitel 10
Quellenangabe
titleSagen aus Sachsen
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Das verliebte Gespenst zu Leipzig

Einst hatte ein Student auf dem Neumarkt sich eine Stube gemietet, in welcher ihm mehrere Wochen nichts Wunderbares aufstieß. Als er aber eines Tages nach elf Uhr zu Bett ging und der Mond so hell schien, daß er nach ausgelöschtem Lichte alles in seiner Schlafkammer unterscheiden konnte, sah er auf einmal eine alte Frau durch die Türe an sein Bett treten und während ihm vor Schreck der Angstschweiß vom ganzen Körper herablief, sich bemühen ihn aus dem Bett zu ziehen. Weil er sich aber fest dawider stemmte, mit allen Kräften sein Bett hielt und zurückzog, so stießen sie mit den Nasen zusammen, der Geist ließ den schon in die Höhe gehobenen Studenten wieder niederfallen und verschwand unter lautem Seufzen. Als nun besagter Student am andern Abend später als sonst nach Hause kam, und vor einem sonst zugeschlossenen Keller vorbeimußte, sah er denselben ganz geöffnet und ein helles Kohlenfeuer in demselben leuchten, er dachte sich jedoch dabei nichts, sondern begab sich in seine Stube, wo es denn auch nicht lange währte, bis der Geist wiederkam und dieselben verliebten Angriffe auf den Studenten machte, aber ebenso scharf zurückgedrängt ward. Da derselbe also nicht ankam, machte er ein Zeichen, daß ihm der Student folgen sollte, was dieser aber wohlweislich nicht tat. Am dritten Abend bat er einige Freunde zu sich und nahm ein Kartenspiel vor, um die Zeit hinzubringen, weil er glaubte, die alte Person werde nicht wiederkommen, allein richtig zur bestimmten Stunde kam die Frau, während seine Freunde in tiefen Schlaf gefallen waren, wieder, und machte dieselben Angriffe auf seine Unschuld, verschwand aber als er bei ihm wieder nicht ankam. In Folge davon gab der Student seine Wohnung auf.

 


 

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