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Sagen aus Rom

: Sagen aus Rom - Der Auszug zum heiligen Berg
Quellenangabe
typeinbook
titleDer Auszug zum heiligen Berg
senderjuergen@redestb.es
booktitleMaerchen und Sagen
publisherDas Beste
isbn3-87070-039-4
authorberlieferung
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Der Auszug zum heiligen Berg

Nachkommen der alten Geschlechter in Rom waren die Patrizier, die nach der Vertreibung der Könige die höchsten Ämter im Staat besetzten und viele Vorrechte besaßen. Aus den Nachkommen der später Zugewanderten war der Stand der Plebejer erwachsen. Diese hatten keinen Anteil an der Regierung und keinen Zugang zu den Beamtenstellen, waren aber zum Kriegsdienst und zur Steuerzahlung verpflichtet. Da die Römer viele Kriege führen mußten, waren seine Bürger oft lange Zeit von Hause fort, konnten ihre Äcker nicht bestellen und gerieten in Verschuldung.

Immer drückender wurden diese Mißstände, immer belastender die Schulden, in die sich die Plebejer verstrickten, und immer größer wurde die Unzufriedenheit. Als sie wieder einmal von einem beschwerlichen Kriegszug heimkehrten und die Hoffnung auf Befreiung von den drückenden Steuerlasten enttäuscht wurde, kam es zu einem Aufstand. Bewaffnet, wie die Plebejer noch vom Kriegszuge waren, rotteten sie sich zusammen und zogen zur Stadt hinaus auf eine Anhöhe, nicht weit von Rom. Dort auf dem »Heiligen Berge« ließen sie sich nieder.

Mit Bestürzung erlebten Senat und Patrizier diesen Auszug; denn ohne die Masse der Plebejer schien der römische Staat nicht lebensfähig. Alle waren sich darin einig, daß man sie zurückholen müsse. Man betraute Menenius Agrippa, einen erfahrenen Senator und ein Freund des Volkes, mit der Führung der Gesandtschaft, die mit den Plebejern verhandeln sollte.

Murrend wurde er empfangen, man wollte von seinen Vorschlägen nichts wissen. Doch dann gelang es ihm, die Aufmerksamkeit der Ausgewanderten zu gewinnen. Menenius Agrippa erzählte ihnen eine Fabel: »Einst empörten sich die Glieder des Körpers gegen den Magen, weil sie glaubten, er allein sei untätig, während sie alle arbeiteten. So weigerten sie sich, weiterhin ihren Dienst zu tun. Die Hände wollten keine Speise mehr zum Munde führen, der Mund sie nicht mehr aufnehmen und die Zähne sie nicht zermahlen.

Doch als die Glieder nun ihren Plan ausführten, spürten sie allzubald, daß sie durch solche Weigerung sich selbst am meisten schadeten. Jetzt erst erkannten sie nämlich, welche Bedeutung der Magen für sie habe: daß er die empfangene Speise verdaue und dadurch allen Gliedern Leben und Kraft verleihe. So hielten die Glieder es doch für besser, sich mit dem Magen zu versöhnen. – Und was will meine Fabel euch sagen?« schloß der kluge Agrippa. »Daß auch im Staate keiner ohne den andern bestehen kann, nur in der Eintracht liegt die Kraft.«

Diese Rede überzeugte die Plebejer, daß auch sie die reiche Erfahrung und die Staatskunst des Senats auf die Dauer nicht gut entbehren könnten. Doch nicht eher kehrten sie zurück, als bis die Patrizier ihnen ihre Forderungen zugestanden hatten. Von nun an wurden Volkstribunen gewählt, die jedes gegen die Plebejer gerichtete Gesetz für ungültig erklären und auch in die Gerichtsverhandlungen eingreifen konnten. Die Volkstribunen wurden bald nicht minder geachtet als die Konsuln.

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