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Sagen aus Rom

: Sagen aus Rom - Der Kampf der Horatier und Kuriatier
Quellenangabe
typeinbook
titleDer Kampf der Horatier und Kuriatier
senderjuergen@redestb.es
booktitleMaerchen und Sagen
publisherDas Beste
isbn3-87070-039-4
authorberlieferung
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Der Kampf der Horatier und Kuriatier

Auf Romulus folgte Numa Pompilius, der mit Milde und Friedfertigkeit regierte und das rauhe Römervolk zu sanfteren Sitten und zu gläubiger Götterverehrung zu erziehen versuchte. Nach ihm bestieg Tullus Hostilius den Thron, ein König von leicht aufbrausender Sinnesart. Er liebte den Krieg und gedachte sein Land durch Machtkämpfe zu vergrößern. Durch Streifzüge in die Umgebung reizte er Alba Longa, Roms Mutterstadt, so sehr, daß sich die beiden Völker bald mit Waffen in der Hand gegenüberstanden.

Schon schwirrten die ersten Geschosse, da trat Mettus Fufetius, der Feldherr der Albaner, vor die Reihen und verlangte Gehör.

»Ist es nicht sinnlos, daß wir, zwei so nahe verwandte Völker, uns hier in blutigen Kämpfen Tod und Verderben bringen – nur zur Freude unserer gemeinsamen Feinde?« rief er.

Alle stimmten ihm zu, und so beschloß man, ein Zweikampf einzelner Krieger solle den Völkerstreit entscheiden. Das Schicksal selbst schien diesen Vorschlag zu begünstigen; denn im Römerheere dienten damals drei Söhne des Horatius, die man die Horatier nannte, und in den Reihen der Albaner standen ebenfalls drei Brüder, die Kuriatier. Diese sollten gegeneinander kämpfen und damit den Krieg entscheiden.

Die Priester bestätigten mit feierlichen Opfern den Vertrag, und beide Heere lagerten sich, um dem Entscheidungskampf zuzuschauen.

Mutig stürzten sich die auserkorenen Streiter in den Kampf. Erbarmungslos fielen die Streiche, und bald lag einer der Horatier, kurz darauf ein zweiter tot in seinem Blute. Nur noch einer stand den drei Albanern gegenüber, doch diese waren alle schwer verwundet.

Jubelnd feuerten die Albaner ihre drei Kämpfer an. Trotz ihrer Wunden rafften diese sich auf, da wandte sich der letzte Horatier plötzlich zur Flucht, obwohl er noch unverwundet war. Verbissen machten sich die drei Kuriatier an die Verfolgung, soweit es ihre Kräfte zuließen. Das war die schlaue Kriegslist des Römers; denn als er sah, wie sie weit voneinander getrennt waren, wandte er sich plötzlich um, trat dem Feind, der ihm am dichtesten auf den Fersen war, entgegen und streckte ihn nach kurzem Kampfe zu Boden. Angefeuert vom Geschrei seiner römischen Landsleute, besiegte er auch den zweiten Gegner, und als der dritte, der am schwersten verwundet war, herankeuchte, hatte der Römer leichtes Spiel. Auch der letzte Kuriatier hauchte nach kurzem Kampfe sein Leben aus.

Mit Jubelrufen begrüßten die Römer den Sieger. Die Albaner aber fügten sich dem Vertrage und unterwarfen sich der römischen Herrschaft.

Im Triumph zog Publius Horatius, der Sieger, an der Spitze des Heeres in Rom ein; stolz trug er die Rüstungen der drei Erschlagenen zur Schau.

Da trat ihm am Tore seine Schwester entgegen. Sie war mit einem der Kuriatier verlobt, und als sie nun auf des Bruders Schulter den Mantel des Verlobten erblickte, den sie selber gewirkt hatte, begann sie zu wehklagen. In wildem Schmerz rang sie die Hände, Iöste ihr Haar und rief laut den Namen des Geliebten.

Da empörte sich der Bruder; denn inmitten der Siegesfreude schienen ihm Trauer und Tränen ein Verbrechen am Vaterlande zu sein. In besinnungslosem Zorn riß er sein noch blutiges Schwert aus der Scheide und stieß es der eigenen Schwester in das Herz.

»Unwürdig bist du mit deiner heillosen Liebe«, rief er aus, »daß du deine gefallenen Brüder und das Vaterland vergessen kannst! So soll künftig jede Römerin sterben, die einen Feind betrauert!«

Nach dieser schrecklichen Tat verstummte jede Siegesfreude. Wenn Publius Horatius sich auch um das Vaterland hoch verdient gemacht hatte, der Mord an der eigenen Schwester durfte nicht ungesühnt bleiben, und ein Zwei-MännerGericht verurteilte ihn zum Tode. Da machte der Vater, der greise Horatius, von dem äußersten Rechtsmittel Gebrauch. Er wandte sich an die gesamte Bürgerschaft und bat um Gnade für seinen letzten Sohn. Die Meinung der Bürgerschaft blieb geteilt; die einen wollten den Verurteilten begnadigen, die anderen riefen: »Blut fordert Blut!«

Ein alter Römer fand schließlich einen Ausweg aus diesem Zwiespalt, indem er einen Vorschlag zur Abstimmung stellte: »Laßt die Strafe vollziehen, Bürger, die dem Publius Horatius von Rechts wegen gebührt! Er möge unter ein Joch treten, das sinnbildlich den Galgen darstellt. Damit soll bekundet werden, daß kein Verdienst die Gleichheit vor dem Gesetz aufheben kann. Nach dieser Demütigung soll der Held des Albanerkrieges frei sein.«

Dieser kluge Rat wurde einstimmig gebilligt, und der Horatier war gerettet. Bis in die späteren Jahrhunderte zeigte man in Rom dieses Joch, das »Schwesternbalken« genannt wurde.

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