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Sagen aus Posen

: Sagen aus Posen - Kapitel 8
Quellenangabe
titleSagen aus Posen
typelegend
senderjuergen@redestb.es
modified20170929
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Die Seejungfrauen im Tilsiter Schloßteich

Ein Bauernsohn aus der Umgebung von Tilsit wurde zum Heer eingezogen; man bestimmte ihn zum Tambour, und ob gern oder ungern, er mußte das Kalbsfell schlagen. Um sich ungestört, in dieser Kunst zu üben, schlich er gewöhnlich hinter einen Busch am Schloßteich. Eines Abends im Sommer begab sich der Soldat mit seiner Trommel wieder dorthin. Da sah er im Teich drei wunderschöne Mädchen baden; ihre Kleider, lange grüne Gewänder und Schleier, lagen am Ufer. Wie der Blitz sprang der Tambour aus dem Gebüsch hervor und raffte die Kleider zusammen. Die Mädchen bemerkten ihn, vor Schrecken laut aufschreiend, schwammen heran und baten ihn, ihnen doch wenigstens ihre grünen Schleier zurückzugeben. Zweien folgte er die Kleider aus, der schönsten Jungfrau brachte er Bauernkleider, das Nixengewand aber verschloß er in einer eisernen Kiste; dann begab er sich wieder in den Dienst; die Nixe wurde demnach seine Hausmagd.

Von nun an gedieh alles im Hause aufs beste, es war die ertragreichste Wirtschaft weit und breit. Der Soldat nahm seinen Abschied und feierte Hochzeit mit der Seejungfrau. Viele Leute beneideten den Glücklichen um seine schöne Frau. Nur war sie immer so bleich und blieb am liebsten für sich allein. Abends sang sie im Garten mit lieblicher Stimme rührende Lieder, jedoch in einer Sprache, die niemand verstand.

So verstrichen einige Jahre, die Ehe war mit mehreren Kindern gesegnet. Da mußte der Ehemann einmal verreisen. Er übergab seiner Mutter den Schlüssel zu der versperrten Kiste und trug ihr aufs strengste auf, ihn niemand auszuhändigen. Aber die junge Frau bat so inständig, sie wolle noch einmal ihre alten Kleider anziehen, daß die Mutter sich erweichen ließ und die Kiste aufschloß.

Schnell kleidete sich die schöne Frau an, doch als sie den Schleier übergeworfen hatte, war sie verschwunden. Sie kam auch nicht wieder, auch ihr Mann hat sie niemals mehr gesehen. Nur ihren Kindern war sie – allen unsichtbar – oftmals nahe. Diese spielten am liebsten in der Nähe des Schloßteiches, wo sie häufig in der gleichen Sprache wie einst ihre Mutter liebliche Lieder sangen.

Doch die Kinder wurden groß, verließen Haus und Hof. Heute steht nur noch ein Bauernhof – doch liegt er in fremden Händen.

 


 

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