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Sagen aus Posen

: Sagen aus Posen - Kapitel 6
Quellenangabe
titleSagen aus Posen
typelegend
senderjuergen@redestb.es
modified20170929
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Das Hollenweibchen von Nemmersdorf

Nun war einmal ein junges Mädchen aus der Stadt erschienen, um in Nemmersdorf die Hauswirtschaft zu erlernen. Das Spinnen ging ihr nicht recht von der Hand, weil sie diese Arbeit nicht von Jugend auf gelernt hatte; bei ihrer Hausfrau aber mußte so fein gesponnen werden, daß man ein Gewinde durch einen Trauring ziehen konnte. Dieses Mädchen aus der Stadt wollte an die Spinnfrauen oder Holleweibchen nicht glauben. Am Lichtmeßabend, als alle andern schon schliefen, stand sie leise auf, reinigte die Schlüssellöcher in Flur und Küche, die die Köchin sorgsam verstopft hatte, damit die Holleweibchen nicht ins Haus schlüpfen könnten, nahm das Spinnrad und legte Flachs auf; kaum lag das Mädchen wieder im Bett, da brauste und sauste es vor den Fenstern, als ziehe die wilde Jagd vorüber. Neugierig eilte das Mädchen wieder in die Küche. Da saß ein kleines graues Wesen am Spinnrad und spann; schon lag eine Rolle des allerfeinsten Garns auf der Erde. Als das Mädchen erstaunt näher schlich, packte das Holleweibchen seine losen Haare und spann sie statt des Flachses. Plötzlich sah das Mädchen eine Sternschnuppe fallen. Es wußte selbst nicht, was es war, und schrie in seiner Angst und Not: »Ach, ach, der Himmel fällt ein!« Darüber erschrak das Holleweibchen und rannte bei der Tür hinaus. Das Mädchen machte sich rasch vom Spinnrad los und zerhackte den Spinnrocken mit einem Küchenbeil in viele Stücke. Als das Holleweibchen nach einiger Zeit wieder zur Tür hereinschaute und das Spinnrad zerschlagen sah, kehrte es um und lief davon.

Das Stadtmädchen aber war von nun an von seinem Unglauben geheilt und hat nie mehr versucht, in der verbotenen Zeit, in den Zwölften, den Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig und zu Lichtmeß, zu spinnen oder Flachs aufzulegen.

 


 

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