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Sagen aus Posen

: Sagen aus Posen - Kapitel 2
Quellenangabe
titleSagen aus Posen
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Die Unterirdischen und der Graf zu Eulenburg

In alter Zeit diente bei einem Grafen Eulenburg eine Köchin die sehr fromm war und niemals vergaß, von jeder Mahlzeit einen Löffel voll auf den Herd zu gießen. Die Gräfin fragte oft, warum sie das tue, erhielt aber nie Auskunft; denn die Köchin wußte wohl, daß sie es geheimhalten mußte, wenn sie die Unterirdischen beschenken wollte.

Eines Tages war der Graf zu Eulenburg eben in seinem Arbeitszimmer beschäftigt, da sprang plötzlich eines der unterirdischen Wesen auf seinen Schreibtisch, verneigte sich ehrfürchtig und sprach: »Hoher Graf, meine Kameraden wollen hier ein Fest begehen. Du mußt ihnen aber das ganze Schloß einräumen und es samt deinem Gesinde verlassen; denn niemand darf unsere Feier sehen.«

Der freundliche Graf bewilligte die Bitte und versprach, seine Familie und sein Gesinde fortzuschicken, nur er selbst sei schon zu alt, um sich noch auf Reisen zu begeben; er wolle sich aber auf dem äußersten Flügel des Schlosses aufhalten und keinen Schritt von dort wegtun. Die Unterirdischen waren damit einverstanden, und der greise Schloßherr hielt gewissenhaft sein Versprechen.

Nun war aber zufällig der Haushofmeister um jene Zeit auswärts gewesen und kehrte gerade am Tage des Festes der Unterirdischen von seiner Reise zurück. Weil es schon spät war, wollte er sich leise auf sein Zimmer schleichen. Doch als er am Saale vorbeischlüpfte, kam es ihm vor, als ob Musik ertönte. Auch fiel ein heller Lichtschein durch die Türspalte. Der Haushofmeister dachte, daß etwa die Herrschaft ein Gastmahl gebe, schlich auf den Zehen ans Schlüsselloch, guckte durch und sah das wunderbarste Schauspiel, das man sich vorstellen konnte. Der ganze Saal wimmelte von kleinen Leuten, und die große Köchin stand mit einem der Unterirdischen auf dem Trauteppich, wo sie eben die Ringe wechselten; sie weinte aber sehr, daß sie einen so kleinen Mann nehmen mußte. Der Haushofmeister sah eine Weile zu; plötzlich erloschen die Lichter, und das Fest war jählings zu Ende.

Noch saß der Graf in seinem Arbeitszimmer, da sprang wieder der kleine Unterirdische aufsein Pult und brachte folgende Beschwerde vor.

»Lieber Graf, du hast versprochen, deine Leute fortzuschicken. Dein Haushofmeister hat uns aber belauscht und dadurch unser Fest gestört; deshalb sollen nie mehr als sieben Eulenburgs in deiner Familie leben. Weil du es aber doch ehrlich mit uns gemeint hast, schenke ich dir diesen Ring. Hüte dich, ihn zu verlieren; solange du ihn trägst, soll deinem Haus kein Unheil widerfahren!«

Der Graf hatte von der Rückkehr des Haushofmeisters nichts geahnt. Die Voraussage aber, daß stets nur sieben Grafen Eulenburg leben sollten, ist bis zur heutigen Stunde eingetroffen, auch den Ring hütet jeder Stammhalter treulich. Wie nötig dies ist, konnte der alte Graf noch am eigenen Leibe erfahren. Der Schloßherr hatte nämlich die Gewohnheit, wenn er sich wusch, den Ring auf das Waschbecken zu legen. Einmal ging er, ohne ihn wieder anzustecken, in den Schloßgarten. Kaum hatte er das Schloß verlassen, als auch schon das ganze Gebäude in Flammen stand. Und es war sein Glück, daß er sogleich an den Ring dachte, in sein Zimmer stürzte und noch Zeit fand, das Kleinod wieder auf den Finger zu streifen. Darauf erlosch das Feuer sofort.

 


 

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