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Sagen aus Oberösterreich

: Sagen aus Oberösterreich - Kapitel 39
Quellenangabe
titleSagen aus Oberösterreich
year1947
publisherVerlag Carl Ueberreuter, Wien
typelegend
modified20170929
senderharald.aichmayr@netway.at
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Das Pferd des Teufels im Hausruckviertel

Es mag wohl schon recht lange her sein, da schritt eines Abends ein Maurergeselle auf dem Heimweg von der Arbeit mit zwei Kameraden durch den düsteren kleinen Wald, der die Straße zwischen Wendling und Winkling am Hausruck einsäumt. Der Maurer hatte früher bei der kaiserlichen Reiterei gedient und erzählte seinen Begleitern manches kühne Reiterstücklein, das er einst geliefert habe. Dabei sparte er nicht mit Prahlereien und Gotteslästerungen und vermaß sich während seiner Reden, jedes Pferd zu zähmen und es mit jedem Reiter aufnehmen.

»Und wenn das Pferd vom Teufel selbst wäre«, rief er und warf sich dabei in die Brust, »ich würde es meistern, daß ihr eine Freude daran hättet.« Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als sie plötzlich am Waldrand einen prächtig gesattelten Schimmel erblickten, der dort ruhig graste.

»Da kannst du gleich deine Kunst vorführen«, meinte vergnügt einer seiner Gefährten, »steig auf und zeige, was du kannst!« Auch der andere munterte ihn auf, jetzt die Probe aufs Exempel zu machen. Der Maurer ließ sich das nicht lange sagen und sprang in den Sattel, um wieder einmal einen ordentlichen Ritt zu tun. Das Pferd aber warf den Kopf auf und raste mit ihm gegen Osten davon. Im Nu entschwand es mit seinem Reiter den beiden Männern aus den Augen, die voll Angst vergebens auf seine Rückkehr warteten.

Erst nach drei Tagen kam der großsprecherische Maurer hinkend und zerschunden wieder nach Hause. Das Pferd war mit ihm die ganze Nacht in wildem Lauf kreuz und quer durch Feld und Wald gerannt, kein Zaum, kein Schenkeldruck hatten es zähmen können. Als dann am frühen Morgen die Aveglocken vom Linzer Kalvarienberg erklangen, hatte der Mann unwillkürlich ein Kreuz geschlagen. Da schleuderte ihn das wilde Pferd von seinem Rücken an eine Felswand, an der sie gerade vorüberrasten, daß der Reiter glaubte, alle Knochen im Leib seien ihm zerbrochen. Mühselig schleppte er sich nach seinem Heimatort. Das Lästern und Prahlen aber gab er auf.

Der Wald erhielt nach diesem Ereignis den Namen »Toifling«, da das Pferd, wie man meinte, sicher der Satan selbst, der »Toifl« gewesen war.

 


 

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