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Sagen aus Oberösterreich

: Sagen aus Oberösterreich - Kapitel 37
Quellenangabe
titleSagen aus Oberösterreich
year1947
publisherVerlag Carl Ueberreuter, Wien
typelegend
modified20170929
senderharald.aichmayr@netway.at
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Der Riesenhans im Mühlviertel

Aus einer Riesenfamilie stammte der Riesenhans, der im oberen Mühlviertel lebte. Mit siebzehn Jahren verdingte er sich bei einem Bauern als Pferdeknecht, und der Bauer glaubte, mit dem ungeschlachten, riesigen Burschen einen guten Fang getan zu haben. Aber schon beim ersten Frühstück verging ihm die Freude an dem neuen Knecht; denn dem hungrigen Riesen konnte die Schüssel nicht oft genug mit Suppe gefüllt werden, dazu aß er zwei mächtige Brotlaibe auf. Nachher nahm ihn der Bauer zum Holzfällen in den Wald mit. Er bezeichnete die Bäume, die gefällt werden sollten, und wollte sodann darangehen, sie mit Hilfe seines Begleiters umzuschneiden. Aber dem eifrigen Knecht mochte dieses Verfahren als zu zeitraubend erschienen sein; er machte es viel einfacher, riß die Bäume mit der Wurzel aus und warf sie auf einen Haufen zusammen. Da wandelte den Bauern das Grauen an.

Beim Mittagessen hatte die Bäuerin schon mit dem tüchtigen Hunger der Holzfäller und auch mit dem Appetit des riesigen Knechtes gerechnet und in doppelter Menge angerichtet. Aber Hans war mit Fleisch und Knödel so rasch fertig, daß die Bäuerin nochmals auftragen mußte und bald entsetzt in die leeren Töpfe starrte. Nun begann der Bauer sich vor seinem Knecht zu fürchten und hätte ihn am liebsten aus dem Hause gejagt. Allein er getraute sich nicht, dem starken Burschen zu sagen, er möge sein Bündel schnüren und sich einen andern Dienstposten suchen; daher wollte er ihn ums Leben bringen. Am Nachmittag befahl er dem Knecht, am Hang eine tiefe Grube auszuheben. Hans fragte nicht warum und wozu, sondern machte sich gleich mit Fleiß und Eifer ans Werk. Als er schon drei Meter tief gekommen war, wälzte der Bauer große Steinblöcke herbei und ließ sie in die Grube rollen, um den unerwünschten Knecht zu erschlagen. Hans aber rief, der Bauer solle mehr achtgeben und nicht so viel Sand in die Grube rieseln lassen, denn das hindere ihn zu sehr. Der Bauer, der den Riesen schon für erledigt hielt, erschrak und meinte kläglich, es werde nicht wieder vorkommen. Er sah keine Möglichkeit mehr, den Riesen zu beseitigen, und gab jeden Versuch auf, sich seines Knechtes auf mörderische Weise zu entledigen.

Ob es dem Bauern schließlich doch gelungen ist, ihn loszuwerden, weiß niemand mehr zu sagen.

 


 

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