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Sagen aus Oberösterreich

: Sagen aus Oberösterreich - Kapitel 22
Quellenangabe
titleSagen aus Oberösterreich
year1947
publisherVerlag Carl Ueberreuter, Wien
typelegend
modified20170929
senderharald.aichmayr@netway.at
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Das Brot der Bergmännchen von Reichraming

Bei Reichraming im Ennstal ragt vom Steilabfall des Gebirges ein Fels empor, in dem vor langer Zeit Bergmännchen hausten, die im Felsen nach Gold und Silber schürften. In den Klüften des Felshanges wuschen, kochten und backten sie. Sie waren den Einheimischen gut gesinnt und erwiesen ihnen manche Wohltat.

Einmal ging ein Holzknecht in der Morgendämmerung am Felsen bei Reichraming vorüber. Er hatte sich schon vor Tagesanbruch auf den Weg gemacht, um rechtzeitig zum Holzschlag zu kommen. Wie er so gemächlichen Ganges bergan schritt, sah er aus einer Felsspalte Rauch aufsteigen und trat neugierig näher, um zu erfahren, wer da so frühzeitig schon bei der Arbeit sei. Verwundert bemerkte er mehrere kleine Männchen, die eifrig mit Brotbacken beschäftigt waren. Während einige noch emsig den Teig kneteten und die Laibe formten, trugen andere Holz herbei und schürten das Feuer im Backofen. Eine Weile schaute er ihnen zu, wie sie flink am Werk waren, dann faßte er sich ein Herz und bat sie um einen Laib Brot.

»Gedulde dich ein wenig«, war die Antwort, »es ist noch keiner fertig.«

Da der Mann aber wußte, daß die Arbeit im Holzschlag auf ihn warte, blieb er nicht länger stehen, sondern ging seiner Wege. Als er am Abend wieder an der Stelle vorüberkam, wo er die Zwerge gesehen hatte, trat ein Männlein aus der Felskluft, ging auf ihn zu und meinte: »Warum hast du heute früh nicht länger gewartet? Hier hast du den versprochenen Brotlaib.« Damit übergab es dem Holzknecht einen großen Laib frisch gebackenes Brotes.

Dieser nahm das Geschenk dankbar und voller Freude entgegen, denn er wußte, daß das Brot der Bergmännchen nie zu Ende gehen könne. Und wirklich, sooft er sich auch ein Stück davon abschnitt, immer wurde das Brot wieder ganz, und es blieb auch stets von gleicher Frische.

Einmal jedoch teilte er das Brot mit mehreren Kameraden im Holzschlag und schnitt Stück für Stück von dem Laibe herunter, bis er ganz aufgeschnitten war. Kaum war das letzte Stück verzehrt, da war es mit dem Segen zu Ende, und der Laib erneuerte sich nicht mehr.

Die Zwerglein sind verschwunden, aber ein reicher Segen an Silber und Gold ruht, den Menschen unbekannt, noch heute im Innern der Berge. Diesen Schatz aufzufinden, bedarf es eines goldenen Zapfens, der im Berg steckt. Wer diesen Zapfen findet, kann den Fels aufsperren und das Gold in Besitz nehmen. Bisher hat ihn noch niemand gefunden, aber vielleicht geht derjenige schon unter uns herum, dem es bestimmt ist, den goldenen Zapfen und damit den Schatz der Reichraminger Zwerge zu heben.

 


 

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