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Sagen aus Niedersachsen

: Sagen aus Niedersachsen - Kapitel 97
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titleSagen aus Niedersachsen
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Zwerge in den Schweckhäuser Bergen

In den Schweckhäuser Bergen hat es einstmals Zwerge gegeben, die dort in sonderbaren Höhlen hausten. Die Höhlen sind noch in den Bergen vorhanden, sie sollen voll wundervollen Edelgesteins, Goldes und Silbers sein. Da sich aber die Zwerge nicht mehr sehen lassen, sind auch die Höhleneingänge nicht mehr aufzufinden.

Vor langer Zeit standen auf den Schweckhäuser Bergen bei dem Herrn auf Schweckhausen ein Hirt und ein Schäfer im Dienst. Der Hirt hatte eine Tochter, der Schäfer einen Sohn, die einander sehr zugetan waren. Zu der Hirtentochter kam öfters ein Zwerg, ungestaltet und häßlich; der wollte sie zur Frau haben und brachte ihr daher immer viele schöne Sachen von Gold und Silber mit. Das Mädchen aber, dem sein Schäfer weit lieber war, wollte von den Werbungen des Zwerges nichts wissen, obwohl er ebenso häßlich wie mächtig war. Die Mutter des Mädchens wünschte gleichfalls nicht, daß ihre Tochter einen Zwerg heirate, und als dieser eines Tages mit noch schöneren Geschenken wieder erschien, erklärte sie ganz offen: »Ihr braucht nicht mehr zu kommen, meine Tochter kriegt Ihr doch nicht zur Frau.«

Da antwortete der Zwerg gelassen: »Wenn ich wiederkomme und Ihr wißt bis dahin, wie ich heiße, so will ich von da an ausbleiben und Eure Tochter nicht mehr belästigen. Wenn Ihr aber meinen Namen nicht in Erfahrung gebracht habt, so werde ich wieder vorsprechen und das Mädchen mit Gewalt entführen.« Damit ging er eilends fort.

Die Hirtenfrau aber hatte den jungen Schäfer schon oft gebeten, er möge doch genau achtgeben, woher der Zwerg komme und wohin er gehe. Der Schäfer hatte auch ihrer Bitte entsprochen, doch immer war der Zwerg zuletzt spurlos verschwunden. An jenem Abend, an dem der Zwerg mit dem abweisenden Bescheid der Mutter weggegangen war, hütete der Schäfer gerade in den Bergen seine Schafe – die Sonne war schon im Untergehen –, da kam der Zwerg plötzlich wieder daher. Der Schäfer schlich ihm behutsam nach und sah, wie der Zwerg an einen großen Felsblock trat und dort verschwand. Sogleich ging der Schäfer ganz nahe an den Felsen heran und gewahrte eine purpurrote Blume, die herrlich duftete und wie ein Stern leuchtete; aber nirgends bemerkte er einen Eingang in den Felsen. Auf einmal hörte er im Berg ein Klingen wie von Silber und Gold und dazu den Gesang des Zwerges:

»Hier sitz ich,
Gold schnitz ich.
Ich heiße Holzrührlein,
Bonneführlein.
Wenn das die Mutter wüßt',
Ihr Mägdlein sie nimmer vermißt!«

Diesen Spruch merkte sich der Bursche, lief sogleich nach Hause und erzählte ihn noch am selben Abend der Mutter seiner Liebsten.

Als nun nach ein paar Tagen der Zwerg wieder erschien und mit recht hämischem Lachen die Hirtenfrau fragte, ob sie denn nun seinen Namen wisse, da erklärte die Frau ganz kurz: »Wie mögt Ihr wohl heißen? Ihr heißt Holzrührlein, Bonneführlein.«

Sobald die Frau die Namen ausgesprochen hatte, war der Zwerg verschwunden. Er kam auch nie mehr wieder. Die rote Blume auf dem Steinfelsen hat der Schäfer auch nicht mehr gesehen, aber er hat die Hirtentochter geheiratet und ist bis an sein Lebensende glücklich mit ihr gewesen.

 


 

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