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Sagen aus Niedersachsen

: Sagen aus Niedersachsen - Kapitel 76
Quellenangabe
titleSagen aus Niedersachsen
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Der Geist von Ramsloh

Vor gar langer Zeit kam zu Ramsloh im Saterlande ein Mann nach seinem Tode wieder. Er machte den Leuten in dem Hause, wo er gewohnt hatte, so viel zu schaffen, daß sie nicht mehr ein noch aus wußten und den Pastor holen ließen. Dieser befahl dem Geist, er solle sofort zu ihm kommen. Das tat der Mann auch.

Da fragte ihn der Pastor: »Warum bist du wiedergekommen?«

»Des Stehlens wegen«, war die Antwort.

»Diebe haben hier nichts verloren, sie sollen in der Hölle bleiben.«

»Was willst du denn?« fragte darauf der Geist, »du hast mir nichts zu befehlen, du hast ja selbst eine Ähre gestohlen.«

»Das ist nicht wahr! Vielleicht ist sie an meinen Kleidern hängen geblieben, ohne daß ich es gewußt habe, und unwissend sündigt man nicht.«

»Deiner Mutter hast du einen halben Stüwer (kleine Münze) gestohlen, das weißt du doch noch?«

»Das ist wahr, aber dafür habe ich mir ein Büchlein gekauft, um zu lernen, wie ich dich vertreiben kann.«

Da wußte der Geist nichts mehr zu sagen und mußte sich gefangen geben. Der Pastor nahm eine kleine Dose aus der Tasche und sprach zu dem Geiste: »Marsch hinein.«

Als er den Geist in der Dose hatte, ließ er einen Wagen mit vier Pferden bestellen. Da fragte jemand den Pastor: »Was soll das bedeuten? Vier Pferde? Wohin wollt Ihr denn damit?«

»Diese Dose soll nach dem Bullenmeer, dort kann sie dem Teufel Gesellschaft leisten.«

»Dann ist's ja auch wohl nicht nötig, ein großes Gespann zu holen, dies Zeug kann ich ja selbst hintragen.«

»Gewiß«, meinte der Pastor, »aber Ihr solltet erst einmal diesen Spuk kennen! Es wird uns noch mit den vier Pferden schwer genug werden, bis ans Meer zu kommen !«

Unterdessen war der Wagen bereit. Die Dose mit dem Geist kam obenhinauf zu liegen, und nun ging's zum Bullenmeer. Je näher sie kamen, desto schwerer mußten die Pferde ziehen, aber mit vieler Mühe langten sie doch am Bullenmeer an. Nun ließ der Pastor den Geist aus der Dose.

Der Geist fragte: »Was soll ich hier tun?«

»Heide zählen sollst du!«

»Wenn ich das getan habe, was dann?«

»Dann sollst du immer wieder von vorne anfangen bis an den Jüngsten Tag.«

Seit dieser Zeit läuft der Geist noch immer dort am Meeresstrand umher und zählt Heide, aber nicht jeder kann ihn sehen.

 


 

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