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Sagen aus Niedersachsen

: Sagen aus Niedersachsen - Kapitel 72
Quellenangabe
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Die Karlssteine im Hone

Dreiviertel Stunden von Osnabrück entfernt befindet sich im Hone, an der Chaussee nach Bramsche, ein grau und ehrwürdig zum Wanderer niederblickendes, gewaltiges Steindenkmal. Es sind die Karlssteine, die ihren Namen vom Kaiser Karl dem Großen haben. Es sind drei ungeheure Granitblöcke, von denen jeder auf vier Steinunterlagen ruht. Sie befinden sich auf einem an der Chaussee sich erhebenden Hügel, zu dem ein Fußpfad hinaufführt, in einer Waldschlucht, die durch den Piesberg und den Hasterberg gebildet wird. Die mittleren Decksteine sind geborsten und nach innen eingesunken. Man erzählt folgendes:

Einst, als der große Frankenkaiser mit dem Herzog Wieck oder Wittekind jagen ging, kamen beide mit ihrem Jagdgefolge auch zu den großen Opfersteinen im Hone. Vergebens versuchte Karl den Sachsenfürsten zu bewegen, seinen Göttern abzuschwören. Streng und düster wies Wittekind das Ansinnen des Kaisers von sich. Als dieser aber nicht nachließ, den Herzog zu drängen, das Christentum anzunehmen, rief der Sachsenfürst endlich, auf die Steine zeigend: »Nun wohl denn, wenn du mit der Haselgerte, die du in der Hand hältst, den Opferstein zerschlägst, will ich an die Macht deines Gottes glauben.« Da drückte Karl seinem Rosse, das sich vor dem großen Granitblock scheute, die goldenen Sporen in die Weichen, erhob voll Vertrauen auf den Beistand seines Gottes die Gerte und schlug damit auf den Stein, und siehe, derselbe ward in drei Stücke zersprengt. Da erkannte Wittekind, daß der Christengott stärker sei als die Götter der Sachsen; er ließ sich zu Belm, unweit Osnabrück, taufen, und Karl war sein Pate.

Nach andern zog Karl in den Hon, um die Opfersteine zu zerstören. Es wollte ihm aber nicht gelingen, da die Steine dem Eisen wie auch dem Feuer widerstanden. Schon wollte er von seinem Vorhaben abstehen, als ihn sieben Brüder, die in seinem Heer dienten, auf die Hilfe Gottes hinwiesen. Sie bauten den Opfersteinen gegenüber einen Altar und flehten zu Gott, daß er ihrem König beistehen möge. Voll Verzweiflung, daß ihm seine Absicht nicht gelang, schlug Karl mit einer Pappelgerte auf den Opferstein, indem er ausrief: »Gleich unmöglich ist es, diesen Stein und die harten Nacken der Sachsen zu brechen!« Kaum aber hatte er die Worte gesprochen, da zersprang der Stein in drei Stücke. Um den Altar der sieben Brüder wurden aber zum Gedächtnis an diesen Beweis der göttlichen Macht sieben Buchen gepflanzt.

Den Karlssteinen gegenüber, an der andern Seite der Osnabrück – Bramscher Chaussee, befindet sich jetzt ein steinernes Kreuz mit der Inschrift-. »Hoc loco Caroli magni temporibus primam in hac regione missam cellebratam esse antiquitus traditum est.« Hier ist also die Stelle, wo der Altar der sieben Brüder gestanden hat. Statt der früheren Buchen ist das Kreuz von zehn neuen Buchen umgeben, der von diesen eingeschlossene Platz heißt im Volksmund »Tonteggenböken« (zu den zehn Buchen).

 


 

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