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Sagen aus Niedersachsen

: Sagen aus Niedersachsen - Kapitel 52
Quellenangabe
titleSagen aus Niedersachsen
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Die klugen Bürger von Soltau

Vor nun bald 400 Jahren lebte einer der vormaligen Herzöge von Lüneburg, Heinrich der Mittlere genannt, in Unfrieden mit dem Herzog Erich von Braunschweig. Dieser fiel mit seinen Leuten ins Lüneburgische ein und brannte und sengte alles nieder, wo er hinkam. Zuletzt kam er auch nach Uelzen und wollte von da über Soltau ins Stift Verden hinein, da der Bischof daselbst sein Freund war und Heinrich von Lüneburg höllisch mit seinen Leuten hinter ihm hergebraust kam.

Die Leute in Soltau waren in großer Angst, da sie vernahmen, daß der grausame Herzog Erich herankomme, und der Rauch von brennenden Dörfern ihnen sein Nahen verkündete. Sie dachten nämlich, es werde ihrer Stadt ebenso ergehen, wenn der Herzog mit seinem Heere käme, und sie könnten ihn doch nicht abwehren.

Nun waren aber einige wackere Soltauer Bürger da, welche nicht so traurige Gedanken hegten und meinten, sie könnten durch List den ganzen Haufen der Braunschweiger davonjagen. Sie nahmen also ein großes Laken, banden es an eine lange Stange, dazu drei Musketen, die einzigen im ganzen Ort, und einen großen Kessel und machten sich damit frühmorgens auf den Weg nach Uelzen, wo der Harbersche Sandberg sich durch die Heide hinzieht. Auf diesen Berg stellten sie sich und warteten auf die Braunschweiger, deren erste Leute sie auch bald gewahr wurden. Dann ließen sie ihr großes Laken im Winde wehen und schossen mit den Musketen in einem fort und machten dabei mit ihrem Kessel einen schrecklichen Lärm.

Als die Braunschweiger die große Fahne sahen und den Lärm hörten, erschraken sie und meinten, daß das ganze Lüneburger Heer hinter dem Berge wäre und gegen sie heranziehe. Sie kehrten also eilig um und machten lieber einen Umweg ums Moor über Hötzingen nach dem Verdenschen zu. Auf diese Weise gewann aber Herzog Heinrich Zeit, mit seinen Lüneburgern heranzukommen und die Braunschweiger beim Wieh, zwei Stunden von Soltau, ganz nahe an der Stiftsgrenze, zu überfallen und zusammenzuhauen, so daß ihr ganzes Heer zugrundeging und sich zerstreute. Herzog Erich aber ward gefangen genommen und nach Soltau gebracht.

So kam es, daß die klugen und tapfern Soltauer Bürger nicht nur ihre Stadt retteten, sondern auch daß Herzog Heinrich die Braunschweiger erwischte und schlug, ehe sie ins Verdensche kamen, wo sie sicher gewesen wären, weil Heinrich das fremde Gebiet nicht betreten durfte.

 


 

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