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Sagen aus Niedersachsen

: Sagen aus Niedersachsen - Kapitel 51
Quellenangabe
titleSagen aus Niedersachsen
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Das Hellhaus in Ostenholz

Früher hat man in den Gegenden zwischen Weser und Elbe noch oft den Helljäger durch die Luft ziehen hören, und zwar besonders in der Zeit zwischen Weihnachten und Großneujahr; man hat dann besonders dafür gesorgt, daß am Christabend nach Sonnenuntergang das Haus geschlossen und namentlich das große Tor an der Diele zugemacht war, und selten wagte es einer noch nach Sonnenuntergang hinauszugehn.

In Ostenholz bei Fallingbostel steht ein Haus, das nennt man ringsum in der Gegend das Hellhaus; da hatten sie mal am Christabend nach Sonnenuntergang die Tore zu schließen vergessen, und als nun der Helljäger drüber fortzog, lief einer seiner Hunde hinein, und legte sich unter die Bank am Herd und war durch nichts fortzubringen. Hier hat er ein ganzes Jahr gelegen und hat nichts gefressen; nur alle Morgen hat er die Asche vom Herde abgeleckt. Als aber das Jahr um gewesen und die Zwölften wieder da waren, da hat man, als der Helljäger wieder vorüberzog, das Tor aufgemacht und der hat den Hund wieder mitgenommen.

Da wo jetzt das Hellhaus in Ostenholz steht, hat vor langen Jahren einer gewohnt, dessen Sohn ist mit andern am heiligen Christabend auf einer großen Jagd gewesen; da hat er ein Reh verfolgt und gesagt, wenn er das schießen täte, so wolle er ewig alle Christabend jagen. Da hat er's denn auch geschossen, aber er hat auch nach seinem Tode alle Christabend jagen müssen und das ist der Helljäger, und das Haus, in dem er bei seinen Lebzelten gewohnt, ist das Hellhaus. Wenn nun aber der Christabend herangekommen und der Helljäger umgezogen ist, hat der Wirt des Hellhauses jedesmal eine Kuh hinauslassen müssen und die ist, sobald sie nur draußen war, verschwunden gewesen; welche Kuh das aber jedesmal sein mußte, hat man schon vorher ganz genau wissen können, denn wenn es so um den Michaelis- oder Martinstag gekommen, hat sich die Kuh, welche an der Reihe war, zusehends vernommen und ist endlich bis zum Christabend die fetteste im ganzen Stall geworden. Das hat man denn so die ersten vier oder fünf Jahre nach dem Tode des Wirtsohnes gehalten, und hat jedesmal am Christabend die Kuh hinausgelassen, aber endlich ist es ihnen doch zu lästig geworden und sie haben es nicht mehr tun wollen. Als nun der Helljäger am Christabend des nächsten Jahres wieder vorbeigekommen, haben sie das Haus fest zugemacht; aber da ist ein Lärmen und Toben um es herum entstanden, das ist fürchterlich gewesen, die Hunde des Helljägers sind heulend und schnuppernd um und um gelaufen, und die Kuh, welche an der Reihe war, ist im Stall wie rasend geworden, und hat sich mit den Vorderfüßen hoch aufgerichtet und ist die Staken hinaufgesprungen, und soviel man sie auch geschlagen, es hat alles nichts geholfen, sie hat sich nicht zur Ruhe begeben wollen. Da haben's die Leute im Hause nicht länger aushalten können, haben das Tier los und das Tor aufgemacht und gesagt: »Na so lauf in Dreiteufels Namen! « und da ist sie sogleich fortgewesen; aber seit der Zeit ist auch der Helljäger nicht wieder gekommen.

 


 

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