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Sagen aus Niedersachsen

: Sagen aus Niedersachsen - Kapitel 37
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Die Mönche von Marienthal

Einst raubten die lüsternen Mönche von Marienthal die schöne Tochter eines Landmanns, der in der Nähe des Klosters wohnte. Mit dieser trieben sie ihr Unwesen. Die Jungfrau mußte sich ganz und gar dem Willen der Mönche fügen und konnte nur im Stillen ihr Schicksal beklagen. Bald aber schwand die Schönheit des Mädchens dahin, und mit dem 21. Jahre war es so häßlich geworden, daß die Mönche seiner überdrüssig wurden. Sie beschlossen nun, das Mädchen zu ermorden. Heimlich wurde es getötet, und die Leiche dann in ein vor dem Hochaltar befindliches Gewölbe gebracht.

Aber die ruchlose Tat war doch nicht unbemerkt geblieben. Zu der Zeit nämlich lebte im Kloster ein Fischmeister mit Namen Distel. Dieser hatte einen Bruder, welcher in Braunschweig bei den Husaren diente. In der besagten Nacht kam derselbe auf Urlaub, um die Seinen zu besuchen. Als er an der Kirche vorbeiritt, bemerkte er drinnen Licht. Er drängte sein Pferd an die Mauer und sah nun durch ein Fenster genau, was da vorging. Empört über die Untat der Mönche, ritt er vor das Haus seines Bruders, erzählte dem, was er gesehen, und forderte ihn auf, sofort mit ihm zur Kirche zu gehen, um die Mönche bei ihrem Vorhaben zu überraschen. Allein dieser wollte es nicht gern mit den Mördern verderben und anwortete seinem Bruder, er möge sich doch um das, was ihn nicht angehe, auch nicht kümmern.

Unmutig verschmähte es nun der Husar, bei seinem Bruder einzukehren, und ritt sofort nach Braunschweig zurück. Am nächsten Morgen zeigte er die Tat dem Gerichte an. Als nun eine genaue Durchsuchung der Kirche stattfand, entdeckte man die Leichen auch noch anderer Ermordeter. Zur Strafe wurden die Mönche des Landes verwiesen. Allein sie wollten gutwillig nicht gehen, fühlten sich vielmehr hinter ihren dicken Mauern recht sicher. Da schickte der Fürst gegen das widerspenstige Kloster ein Heer, mit dem sich auch die Bauern der Umgegend, die von der Ermordung des Mädchens gehört hatten, verbanden. Diesen vereinigten Kräften gelang es bald, das Kloster zu erstürmen, und die Übeltäter zu verjagen. Einige aber wollten doch den geliebten Ort, wo sie so viele gute Tage gehabt, nicht verlassen und versuchten ein Versteck in dem dunklen Gange, der nach Marienberg führte. Dieser Schlupfwinkel wurde bald gefunden; weil sich aber niemand in den Gang hineinwagte, wurde der Tod der Versteckten beschlossen. Man zog einen Graben von dem in der Nähe gelegenen Klosterteiche bis zum Gang und leitete dann das Wasser hinein, so daß die Übeltäter ertrinken mußten. Seit der Zeit hat sich kein Mönch wieder in Marienthal niederlassen dürfen.

 


 

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