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Sagen aus Niedersachsen

: Sagen aus Niedersachsen - Kapitel 35
Quellenangabe
titleSagen aus Niedersachsen
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Schuster Fuster

Als Herzog Anton Ulrich noch auf seinem Lustschlosse Salzdahlum Hof hielt, hatte er oft fürstliche Gäste bei sich zu Besuch. Unter diesen war auch ein Herr, der sehr gern am Schachbrett saß und sich für einen großen Meister des edlen Spieles ausgab. Nun lebte zu der Zeit in Salzdahlum auch ein alter Schuhmacher mit Namen Fuster. Das war ein ganz einfacher Mann, der aber ausgezeichnet Schach spielen konnte.

Als nun der hohe Gast wieder einmal beim Herzog zu Besuch war und auch diesmal den Mund recht voll nahm und von seiner Kunst viel Aufhebens machte, gedachte der Herzog, ihn etwas zu demütigen, und sagte demnach zu ihm: »Ihr rühmt Euch Eures klugen Spieles, und doch habe ich hier im Dorfe einen Schuster, gegen den Ihr nicht aufkommen könnt. Er wird Euch jedesmal besiegen! « Da warf sich der fremde Herr in die Brust und sagte: »Durchlauchtigster Fürst, befehlet den Mann hierher, und ich setze 100 Dukaten für jedes Spiel, das er mir abgewinnt! « Der Herzog ließ den Alten zu sich ins Schloß entbieten mit dem ausdrücklichen Vermerk, er möge nur kommen, wie er gehe und stehe. Bald erschien denn auch der Schuhmacher. Der Herzog erzählte ihm, warum er ihn gerufen habe, und forderte ihn auf, ja nicht scheu zu sein, sondern zu tun, als ob er zu Hause wäre. Das ließ sich denn Fuster nicht zweimal sagen. Erst schnallte er seine Gamaschen ab, die voll Kot und Dreck waren, schlug sie um die Ofenbeine und warf sie in die Ecke. Dann steckte er seine Pfeife in Brand und setzte sich ohne Scheu dem vornehmen Herrn gegenüber. Während des Spieles hustete und pfiff er, räusperte sich oft und spuckte dann auf den Fußboden. Überhaupt führte er sich gar nicht höflich auf. Dabei gewann er aber zur großen Freude des Herzogs ein Spiel nach dem andern, und weil der hohe Gast sich nicht ergeben wollte, so saßen sie bis tief in die Nacht hinein. Endlich sah der fremde Herr ein, daß er gegen den Schuster nicht aufkommen konnte. Er zahlte dem Sieger den versprochenen Lohn und räumte das Feld. Der Alte zog wohlgemut mit seinen gewonnenen Dukaten nach Haus, der vornehme Herr aber hat sich seit der Zeit nicht wieder seiner Kunst gerühmt.

Als der Schuhmacher gestorben war, ließ ihm der Herzog einen Leichenstein setzen, der folgende Inschrift trug:

Hier ruht Fuster,
der alte Schuster.
Pfeift er nicht, so hust't er,
und hust't er nicht,
so pfeift er.
Im Schachspiel war er Meister.

 


 

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