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Sagen aus Niederösterreich

: Sagen aus Niederösterreich - Kapitel 34
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titleSagen aus Niederösterreich
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Des Teufels Gespann in Unterloiben

Wie in so vielen Orten der Wachau trieb der Satan vorzeiten auch in Unterloiben bei Stein an der Donau sein Unwesen. Warum er sich gerade die Wachau so häufig zu seinen Streichen ausgesucht hat, ist noch nicht recht erklärt. Vielleicht ist es nicht ganz daneben geraten, wenn man vermutet, der feurige Wachauer Wein, dem der höllische Geist so wenig abhold sein mag wie mancher irdische Mensch, müsse da mit im Spiele sein.

Sei dem nun, wie es wolle, jedenfalls ereignete es sich voreinst, daß ein gewisser Hans Abel aus Unterbiben an einem schönen Herbsttag zeitig in der Früh in der Richtung gegen Dürnstein auf Kuhkauf gehen wollte. Als er vor seinen Hof trat, kam gerade ein Bauernwagen, der von zwei Rappen gezogen wurde, auf der Straße dahergefahren. Ein schwarzgekleideter Mann saß auf dem Bock und trieb die Pferde zum Lauf an. Da der Bauer es eilig hatte, rief er dem Kutscher zu, er möge halten und ihn gegen Geld und gute Worte ein Stück Weges mitnehmen. Der Schwarze hielt sein Gefährt an, der Bauer aber kletterte auf den Wagen und setzte sich neben den Kutscher, der noch kein Wort gesprochen hatte. Stumm schwang der Wagenlenker dann seine Peitsche, und die Pferde fielen sogleich in scharfen Trab, der sich bald zu einem rasenden Galopp steigerte, daß dem armen Unterloibner angst und bang wurde. Entsetzt wollte er sich am Arm des Kutschers festhalten, aber noch entsetzter war er, als er ins Leere griff.

Seine Furcht steigerte sich noch, als der Wagen plötzlich von der Straße abbog und in rasender Eile durch einen Schwibbogen der Donau zurollte. Bevor der Bauer noch recht fassen konnte, was sich ereignete, sausten die Pferde samt dem Fuhrwerk ins Wasser hinein. »Jesus, Maria und Josef!« schrie der zu Tode erschrockene Mann, dann verlor er die Besinnung.

Als er nach vielen Stunden wieder zum Bewußtsein kam, fand er sich am Donauufer liegend, so knapp neben dem Wasser, daß die Wellen fast seine Füße bespülten. Mühsam hinkte er heimwärts, der Schrecken war ihm aber so in die Knochen gefahren, daß er einige Wochen das Bett hüten mußte.

Hätte er nicht im letzten Augenblick jenen Stoßseufzer gerufen, so wäre des Teufels Gespann mit ihm zur Hölle gefahren.

 


 

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