Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern

: Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern - Kapitel 141
Quellenangabe
titleSagen aus Mecklenburg-Vorpommern
typelegend
created20020117
senderhille@abc.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der Werwolf von Klein-Krams

In der Nähe von Klein-Krams bei Ludwigslust gab es in früheren Zeiten ausgedehnte Waldungen, die so reich an Wild waren, daß die Herzöge oft diese Gegend aufsuchten, um große Treibjagden abzuhalten. Bei diesen Jagden ließ sich fast jedesmal ein Wolf blicken, der aber nie von den Schützen erlegt werden konnte, selbst wenn das Tier in größte Schußnähe kam. Ja, die Jäger mußten es sogar mit ansehen, daß der Wolf vor ihren Augen ein Stück Wild raubte und – was ihnen höchst merkwürdig schien – damit ins Dorf lief.

Nun geschah es einmal, daß ein Ludwigsluster Husar durch das Dorf reiste und hier zufällig das Haus eines Mannes namens Feeg betrat. Bei seinem Eintritt in das Gehöft rannte eine Schar Kinder mit heftigem Geschrei aus dem Haus und stürmte auf den Hof hinaus. Als der Husar die Kinder nach der Ursache ihres tollen Treibens fragte, erzählten sie ihm, daß außer einem kleinen Knaben von der Feegschen Familie niemand zu Hause sei, aber daß der Knabe wie gewöhnlich, wenn niemand von den Seinen anwesend sei, sich in einen Wolf verwandelt, vor dem sie fliehen müßten, weil er sie sonst beißen würde.

Bald darauf erschien auch der gefürchtete Wolf. Sogleich hatte er seine Wolfsgestalt abgelegt. Der Husar wandte sich sofort an das Kind und fragte, was es mit dem Wolfsspiel für eine Bewandtnis habe; der Knabe aber wollte nicht mit der Sprache heraus. Doch der Husar ließ nicht locker, und endlich gelang es ihm auch, den Knaben zum Reden zu bringen.

Nun erzählte der Kleine, seine Großmutter habe einen Riemen, sobald er sich diesen umschnalle, dann sei er augenblicklich ein Wolf. Der Husar verlangte nun von dem Knaben, er möge doch einmal als Werwolf erscheinen. Der Junge weigerte sich anfangs, doch endlich erklärte er sich dazu bereit, wenn der fremde Mann zuvor auf den Heuboden steige, damit er vor dem Wolf sicher sei. Der Husar stimmte zu und zog zur Vorsicht die Leiter, mittels der er auf den Heuboden gestiegen war, mit hinauf.

Kaum war das geschehen, so lief der Knabe in die Stube und kam bald darauf als junger Wolf wieder zum Vorschein, der alle, die sich auf der Diele befanden, vom Hause hinausjagte. Nachdem dann der Wolf in die Stube gelaufen und als Knabe wieder zurückgekommen war, stieg der Husar vom Heuboden herab und ließ sich von dem Jungen den zauberischen Gürtel zeigen, woran er aber nichts Besonderes entdecken konnte.

Der Husar traf bald darauf einen Förster in der Nähe von Kleinkrams, dem er sein Erlebnis im Feegschen Hause mitteilte. Der Förster, der bei den großen Treibjagden immer dabeigewesen war, dachte bei dieser Erzählung sofort an jenen unverwundbaren Wolf. Er meinte nun, den Werwolf erlegen zu können, und sprach darum bei dem nächsten Treiben zu seinen Freunden, während er eine Kugel von Silber in den Lauf seiner Flinte schob: »Heute soll mir der Werwolf nicht entgehen!« Seine Gefährten sahen ihn verwundert an. Er aber erzählte nichts weiter.

Darauf begann das Treiben, und es währte nicht lange, so zeigte sich auch wieder der Wolf. Viele von den Jägern schossen auf ihn, aber er blieb unverletzt. Endlich kam das Raubtier in die Nähe des Försters. Dieser streckte ihn mit eine Schuß zum Boden. Der Wolf stürzte getroffen, alle sahen es, trotzdem sprang er gleich wieder auf und lief mit Windeseile ins Dorf, die Jäger hinter ihm drein. Doch der Werwolf war schneller als sein Verfolger und entschwand ihnen auf dem Feegschen Hof. Als sie das Haus durchsuchten, fanden sie im Bett der Großmutter den Wolf, dessen Schwanz unter der Bettdecke hervorragte. Der Werwolf war niemand anderer gewesen als Feegs Großmutter. Sie hatte in ihrem Schmerz vergessen, den Riemen abzulegen, als sie ins Bett kroch, und hat so ihr Geheimnis verraten.

Seit dieser Zeit hatte die Werwolfsplage in Klein-Krams ihr Ende gefunden.

 


 

 << Kapitel 140  Kapitel 142 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.