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Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern

: Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern - Kapitel 134
Quellenangabe
titleSagen aus Mecklenburg-Vorpommern
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Die rote Ilse von Parchim

Vor langen Zeiten wohnte auf dem Brook in Parchim ein boshaftes Weib, das man allgemein »dei ror Ils« oder »dei Wäderhex« nannte. Ihren wahren Namen kannte niemand. Rote Ilse aber hieß sie deshalb, weil man sie stets mit einem auffallend roten Tuch umhergehen sah. Sie war in Parchim eingewandert, hatte sich ein Häuschen gekauft und sann nur darauf, mit ihrer Hexenkunst Unheil zu stiften. Wiewohl die verbrecherische Natur des Weibes allgemein bekannt war, wagte doch niemand, die rote Ilse bei Gericht anzuzeigen; man fürchtete ihre Rache.

Doch die Stunde der Vergeltung sollte bald schlagen. In dem Dorf Slate bei Parchim lebte nämlich damals ein Schäfer, der ebenfalls manches von der schwarzen Kunst verstand, ohne aber ein Hexenmeister zu sein; denn er gebrauchte sein Wissen nur zu guten Zwecken. Alle, die von der roten Ilse bedrängt wurden, wandten sich hilfesuchend an den Schäfer. Dieser ließ sich von dem Treiben der Hexe erzählen und erfuhr, daß sie abends als dreibeiniger Hase bei der Hintertür ihres Hauses hinauslaufe, dann die Elbe durchschwimme und endlich nach der Dagekuhl, einem kleinen Gehölz, eile. Als der Hirt dies hörte, sagte er: »Sobald ihr abends den dreibeinigen Hasen bemerkt, ruft mich!«

Nach wenigen Tagen schon war das sonderbare Tier auf dem wohlbekannten Weg zu sehen. Sofort wurde der Schäfer benachrichtigt. Er ergriff auf der Stelle seine Flinte, die er vorher mit einer aus Brot gekneteten und durch einen Zauberspruch geweihten Kugel geladen hatte. Dann rannte er spornstreichs zur Dagekuhl und traf dort richtig mit der verwandelten Hexe zusammen. Diese suchte sofort zu entfliehen und hopste, so schnell es ihre Dreibeinigkeit erlaubte, davon. Doch sie konnte dem Jäger nicht entrinnen. Denn als der Schäfer sein Gewehr auf den Hasen abgefeuert hatte, lag plötzlich die Hexe blutend unter einem Baum. Mit ihren blutunterlaufenen Augen und dem zahnlosen Mund grinste sie den Schäfer auf abscheuliche Weise an. Dieser aber band ihr die Hände und führte sie in die Stadt. Das Gericht sprach das Urteil: Ins Feuer mit ihr!

Als die Hexe aber zum Scheiterhaufen geführt wurde, versuchten ihre Hexenschwestern, sie noch zu retten. Schon war der Holzstoß auf allen Seiten angezündet, da fiel plötzlich ein so starker Regenguß, daß das Feuer schnell erlosch. Doch der Schäfer wußte auch hier Rat. Er gebot, eine Bibel herbeizuschaffen. Sobald diese dem Weib unter die Füße gelegt war, loderte das Feuer wieder gewaltig empor und hatte bald den Holzstoß samt der Hexe verzehrt.

Die Bibel aber wurde nachher wieder unversehrt aus der Asche hervorgezogen.

 


 

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