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Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern

: Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern - Kapitel 131
Quellenangabe
titleSagen aus Mecklenburg-Vorpommern
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Das Riesenkönigsgrab bei Melkhof

Zwischen Wittenburg und Hagenow liegt das Dorf Helm, das ehemals eine große Stadt gewesen sein soll, und zwar zu der Zeit, als noch Riesen die Gegend bevölkerten. Der Riesenkönig hatte von dem großen Reichtum der Stadt gehört und rückte mit einem Heere gegen sie heran. Die Helmer wehrten sich tapfer, aber sie mußten sich schließlich doch in ihre Mauern zurückziehen.

Der Riesenkönig aber war im Kampfe gefallen und wurde in einen goldenen Sarg gebettet, den man wieder mit einem kupfernen und endlich mit einem eisernen umschloß. Nicht weit von Melkhof liegt er unter dem Hügel begraben, der unter dem Namen Trünnelberg bekannt ist. Mancher Schatzsucher hat den Sarg schon zu heben versucht, aber der Teufel selbst hält Schildwache davor. Nur einmal ist es mehreren Bauern aus der Umgebung gelungen, den Schatz zu erblicken. Und das ging so zu:

Ein wandernder Schatzgräber war nach Melkhof gekommen und hatte diesen und jenen beredet, in Gemeinschaft mit ihm den Schatz zu heben und zu teilen. In einer Johannisnacht ging die Arbeit vor sich. Eine Wünschelrute wurde mitgenommen und von dem Geisterbanner um und über den Berg getragen. Oben auf dem Scheitel des Hügels neigte sich die Rute, dort lag der Schatz.

Vor dem Beginn der Schatzgräberei ließ sich der Mann von jedem einzelnen hoch und heilig versprechen, während der Arbeit kein Sterbenswörtchen zu sagen; denn das kleinste Wort bricht auch den mächtigsten Zauber. Dann flüsterte der Schatzgräber seine Zauberformel, und die Arbeit begann.

Schon nach einer Stunde klapperten die Schaufeln auf dem eisernen Sarg. Dieser wurde eilig von der ihn umschließenden Erde befreit und mit armdicken Tauen umspannt. Bisher war alles in bester Ordnung vor sich gegangen. Keiner der Schatzsucher hatte ein Wörtchen gesprochen, und kein Hund mit tellergroßen Augen oder ein anderes gespenstisches Wesen hatte sie gestört. Die Bauern erfaßten die Taue und Hebel, ein kräftiger Ruck folgte, und der Schatz begann sich zu heben – da erschien der leibhaftige Teufel.

»Dat is min un blift wo't liggt!« sagte er kurz und herrisch.

»Dreck is din!« gab ihm ein naseweiser Bursche zur Antwort.

Das war aber, was der Beelzebub gewollt hatte, das vereinbarte Schweigen erschien unterbrochen.

Sarg und Teufel verschwanden, die Grube stürzte krachend ein.

Es ist das letzte Mal gewesen, daß Schatzgräber versucht haben, den dreifachen Sarg des Riesenkönigs zu heben.

 


 

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