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Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern

: Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern - Kapitel 122
Quellenangabe
titleSagen aus Mecklenburg-Vorpommern
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Böser Mainachtzauber bei Schwerin

In einer klaren Mainacht ging ein Bote von Sternberg nach Schwerin. Sein Weg führte ihn durch die Ortschaft Jülchendorf. Wer des Weges kundig ist, wird wissen, daß sich in der Nähe dieses Ortes ein Eichengehölz befindet, in dem ein verhältnismäßig hoher Berg liegt.

Als der Bote in die Nähe dieses Berges kam, richtete er zufällig seine Blicke nach dem Gipfel und bemerkte mit Staunen eine große Menschenmenge, die, wie es schien, dort ein Trinkgelage abhielt; denn der Bote vernahm ein Gläsergeklirr, daß es im Wald widerhallte. Dem wackeren Mann wurde ganz unheimlich zumute. Nachdem er sich einigermaßen von seinem Schrecken erholt hatte, näherte er sich leise der Gruppe auf dem Berg, um diesem Treiben zuzuschauen. Was seine Aufmerksarnkeit am meisten fesselte, war eine mächtige Riesengestalt, deren Stimme wie das Rollen des Donners klang.

Wer beschreibt aber das Entsetzen des armen Boten, als es plötzlich durch die Eichen rauschte und der Riese, den er soeben noch auf dem Berge gesehen hatte, in seiner ganzen Größe vor ihm stand! Er glaubte nichts anderes, als daß seine letzte Stunde geschlagen habe. Um so mehr wunderte sich der Brave daher, als der Riese ihn statt dessen mit folgenden Worten anredete: »Alter, du bist hungrig und durstig, willst du mitessen und trinken, so komm und schlage die Aufforderung nicht ab!«

So blieb ihm nichts übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Zögernd folgte er dem Riesen. Als sie auf dem Gipfel des Berges angelangt waren, mußte der Bote sogleich Platz nehmen. Vor ihm häuften sich die besten Speisen, und kleine daumenlange Geschöpfe standen zu seiner Aufwartung bereit. Bald hatten sie ihn mit allem versehen, und er brauchte nur zuzugreifen. Der Bote nahm Messer und Gabel zur Hand, aber, siehe da! er vermochte sie nicht zu heben obgleich sie nur die gewöhnliche Größe hatten. Das verdroß ihn, und schon wollte er sich entfernen, da nahte sich ihm ein altes, häßliches Weib, das dem Anschein nach aus seinem Dorf war, und raunte ihm ins Ohr:

»Der dir gegenübersitzt, hindert dich daran, Messer und Gabel zu gebrauchen. Speie ihm ins Gesicht, und es wird dir gelingen!«

Kaum hatte der Mann dies getan, als ihn plötzlich ein Sturmwind faßte und ihn den Berg hinunterwarf, daß er fast die Glieder gebrochen hätte. Reisende, die an der Stelle vorüberkamen, fanden ihn und brachten ihn in die nächste Stadt, wo er lange krank lag. In der Folgezeit ging der Bote stets mit geheimem Grauen an dem Gehölz vorüber, vor allem aber hütete er sich, diesen Weg zur Nachtzeit zu betreten.

 


 

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