Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern

: Sagen aus Mecklenburg-Vorpommern - Kapitel 114
Quellenangabe
titleSagen aus Mecklenburg-Vorpommern
typelegend
created20020117
senderhille@abc.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Totbeten, Totsingen

Ein Mittel böser Menschen, andern Schaden zuzufügen oder ihnen sogar den Tod zu bringen, ist das sogenannte Verbeten. Sie halten dieses Verbeten und Totsingen sehr geheim, aber man weiß doch, wie es gemacht wird. Einer kann einen andern totsingen, indem er ein geistliches Lied ein Jahr lang morgens und abends singt. Andere sagen, daß man einen Psalm rückwärts lesen und hinter jedem Verse den Namen des Opfers nennen muß, wieder andere, daß ein ganzes Jahr hindurch täglich morgens um 6 Uhr an einer und derselben Stelle in einer und derselben Stellung ein Psalm, wohl der 94., dreimal rückwärts gebetet werden muß. Jedesmal muß das Vaterunser angehängt werden, zweimal ohne Amen, das letzte Mal mit Amen. Wenn der Totbeter irgend etwas an der Vorschrift versieht, so muß er selbst sterben. So geschieht es ja auch denen, die sich des sechsten oder siebenten Buches Moses zum Zaubern bedienen und es an etwas fehlen lassen. Überhaupt, wenn jemand einem andern durch Zauber etwas antun will und vermag es nicht, so fällt der Zauber auf ihn selbst zurück.

Im Treuburger Kreise soll das Totsingen früher oft mit Erfolg angewendet worden sein. Bei Hohenstein erzählte man von einer Familie, in der Mann und Frau zu Tode gesungen worden sind. Die es getan hatte, war einen Tag vor und einen Tag nach dem Tode des Opfers auf dem Gehöft erschienen; das gehörte mit zum Zauber.

Gott sei Dank gibt es Mittel, sich gegen die Zauberei zu wehren oder eine angetane Behexung wieder wegzubringen. Wer die Mittel richtig kennt und richtig anzuwenden versteht, braucht nichts zu fürchten. Gut ist z. B. das Hemd auf der verkehrten Seite zu tragen, oder bestimmte kräftige Pflanzen immer bei sich zu haben, auch Stahl ist nützlich und vieles andere mehr. Es ist sehr wichtig, viele solcher Mittel zu wissen, denn nicht nur bekannte Hexen u. a., die geheime Künste verstehen, können einem schaden, sondern darüber hinaus meint man, der böse Wunsch eines Menschen, der sonst ganz harmlos ist, bekomme übernatürliche Kraft, wenn dieser Mensch sich rächen will. – Wenn man eine Hexe sieht, so soll man den Besen vor die Tür schmeißen, dann kann sie nicht hinein, vor allem darf man einer Hexe nichts borgen.

 


 

 << Kapitel 113  Kapitel 115 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.