Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Hessen

: Sagen aus Hessen - Kapitel 24
Quellenangabe
titleSagen aus Hessen
typelegend
created20020117
senderhille@abc.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Die Wichtel als Schuhmacher in Eschwege

In der alten Reichsstadt Eschwege lebte einst Meister Jobsen, ein armer Schuhflicker. Eines Abends saß er auf seinem Schemel, schon nahte Mitternacht und spärlich erleuchtete die Lampe das Stübchen. Finstere Sorgen trübten sein Inneres und der Gedanke, wie er sich mit Weib und Kind ehrlich durchbringen wolle in dieser schweren Zeit, lag ihm hart auf der Seele. Da schreckte ihn plötzlich ein Männlein auf, das wie gezaubert vor ihm stand und sagte: »Meister Jobsen, warum so grämlich? Will dein Geselle werden.« – »Bist mir auch der rechte Gesell«, sprach Jobsen verdrießlich und verwundert. »Bin's nicht allein, bin's nicht allein«, sprach das Männlein, »schneid Leder zu, schneid Leder zu, wir machen dir feine Schuh!« Sprach's und verschwand. Staunend und sinnend saß Jobsen noch eine Weile auf seinem Schemel und dachte: Das Glück reicht dir vielleicht die Hand, willst des Männleins Rede nicht verachten. Kannst Geld gewinnen, kannst reich werden. Flugs springt er, holt Leder, schneidet es zu Schuhen zurecht und legt sich müde dann zu Weib und Kind. Da trippelt und trappelt es zu Tür und Fenster herein, bald sitzt eine Schar kleiner munterer Gesellen um den Tisch herum und als Jobsen am andern Morgen erwacht, da steht manch Paar feiner Schuhe auf dem Tisch, aber die Gesellen sind verschwunden. Entzückt erzählt er seinem Weib das Abenteuer der vorigen Nacht und bringt die Schuhe zu Markte. Dann kauft er Leder ein und wohl zugeschnitten legt er's am Abend wieder zurecht. Des Nachts kommen die kleinen Gesellen und am andern Morgen findet er die schönsten Schuhe. So geht es eine Zeitlang fort, die feinen Schuhe finden viele Käufer und werden gut bezahlt, so daß Jobsen viel Geld gewinnt, Da spricht er zu seinem Weib: »Müssen doch den fleißigen Gesellen einmal etwas zugute tun. Kauf' Braten ein, back' Kuchen, bring Wein herbei.« So geschah es. Speis und Trank wurden am Abend auf den Tisch gestellt, sowie auch zugeschnittenes Leder. Allein wie wunderten sie sich, als sie am andern Morgen wohl neue Schuhe fanden, doch die Speisen waren unberührt und vom Wein nichts gekostet. »Müssen es anders anfangen«, sprach Jobsen, ging aufs Tuchhaus, kaufte rotes Zeug und ließ beim besten Schneider Röcklein und Höschen anfertigen. Wie werden sich die Gesellen freuen, dachte er, wenn sie die schönen Kleider finden? Wie werden sie flugs die schmutzigen Mäntel von sich tun? Des Nachts trippelt's und trappelt's wieder zu Tür und Fenster herein, und wie die Gesellen die schmucken roten Wämse finden, da werfen sie hurtig ihre schmutzigen Mäntel weg, putzen sich und hüpfen auf Tisch und Bänken herum. Sie jubeln, schauen in den Spiegel und singen: »Hör, wie so knapp, und sollen machen Schuh lapp?« Damit hüpfen sie zur Tür und zum Fenster hinaus und sind nie wiedergekommen. Meister Jobsen aber ging es gut sein Leben lang.

 


 

 << Kapitel 23  Kapitel 25 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.