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Sagen aus Hessen

: Sagen aus Hessen - Die wilden Leute
Quellenangabe
typelegend
booktitleDas groe Deutsche Sagenbuch
note0558
editorHeinz Rlleke
isbn3-491-96027-4
publisherAlbatros-Verlag
year2001
created20020117
titleDie wilden Leute
senderhille@abc.de
authorberlieferung
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Die wilden Leute

In jenen alten Zeiten, als die Kinzig noch nicht zum Main hinunterfloß, sondern da, wo jetzt Schlüchtern steht, in einem großen Sumpf sich verlor, kam eines Tages ein graues Männchen in diese Gegend und flehte in einigen Hütten um ein wenig Brot und Obdach für die Nacht. Aber die Leute prügelten das Männchen und jagten es unbarmherzig von ihren Türen. Da wendete es sich der Wildnis zu, kletterte über Berg und Stein und gelangte endlich, als eben die Sonne unterging, zu andern Hütten im Wald, worin riesengroße Männer mit ihren ebenso großen Weibern wohnten, welche Kinder hatten, so groß wie jetzt der größte Mann. Der kleine Fremdling fürchtete sich vor ihnen und wollte fliehen, doch die Riesen riefen ihn freundlich zurück, erquickten ihn mit Speise und Trank und machten ihm auch ein weiches Lager zurecht von Waldmoos und dergleichen. Die Nacht verging und als der Morgen anbrach, machte das graue Männchen sich bereit, seine Wanderung fortzusetzen, dankte seinen Wirten und sprach: »Weil ihr wohltätig gegen mich gewesen seid, so tut einen Wunsch; wenn ich zu meinem Herrn komme, will ich ihn bitten, daß er euch den Wunsch gewähre.« Und der älteste von den Männern sagte: »Wir bitten, daß wir nie sterben, sondern immer in diesem Wald unser Wesen treiben dürfen.« Da sprach das Männchen: »Wohl, ich kann euch sagen, daß euer Wunsch euch gewährt wird, und solange ihr diesen Berg nicht verlaßt, werdet ihr leben und nicht sterben.«

So leben denn die »wilden Leute« noch immer in dem Bernhardswald bei Schlüchtern, am linken Kinzigufer, und haben ihre Häuser dort oben, wo gewaltige Steinmassen herniederstarren; die werden die »wilden Häuser« genannt. Da essen die »wilden Männer« täglich am »wilden Tisch« und ihre großen, schönen Frauen steigen in den Mondnächten auf in die Lüfte; ihre Kinder schützen die Kinder der Menschen, wenn sie Beeren suchen im Wald. Die »wilden Männer« sind am vergnügtesten, wenn der Sturmwind tobt und der Blitz aus den Wolken fährt, dann gehen sie hoch oben über die Berge und rütteln an den Wipfeln der Bäume. Aber sie freuen sich auch, wenn die Aronspflanze gedeihlich emporwächst und wenn sie zwischen den Schachtelhalmen dahergehen können; sie unterstützen gern die, welche ihnen begegnen und Heilung gegen Krankheit suchen in dem Erkennen nützlicher Kräuter, und sind überhaupt nur gegen böse Menschen feindlich gesinnt, die zuweilen mit Ohrfeigen von ihnen begrüßt werden.

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