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Sagen aus Griechenland

: Sagen aus Griechenland - Kapitel 15
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titleSagen aus Griechenland
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Prometheus

Auf der jungen Erde grünten und blühten Blumen, Kräuter und allerlei Pflanzen, Tiere belebten das Meer und die Luft und den Erdboden. Doch fehlte das Wesen, das zum Herrn der Welt bestimmt ist: der Mensch.

Da stieg Prometheus zur Erde nieder. Er war dem alten Titanengeschlecht entsprossen, das Zeus einst vom Thronege stoßen hatte, und besaß die Gabe erfindungsreicher Klugheit. Aus feuchtem Ton formte er ein Wesen nach dem Bilde der Götter, und danach entlieh er ihm von den Tierseelen gute und schlechte Eigenschaften. Pallas Athene fand an diesem Geschöpf so viel Gefallen, daß sie ihm göttlichen Odem und Geist einhauchte.

Lange währte es, bis die ersten Menschen es lernten, ihre Glieder und Sinne recht zu nutzen. Sie verstanden es nicht, Häuser aus Stein und Holz zu bauen, und wußten auch nicht die Folge der Jahreszeiten zu unterscheiden.

Da machte sich Prometheus zu ihrem Lehrmeister in allem Wissen, das zum rechten Leben erforderlich ist. Er unterwies sie in der Beobachtung der Gestirne und lehrte sie die Zahlen und die Buchstabenschrift. Von ihm lernten die Menschen, die Tiere zu zähmen und sich dienstbar zu machen, auf Schiffen die See zu befahren, Häuser zu bauen und vielerlei Künste und Bequemlichkeiten des Lebens.

Für den Schutz, den die OIympischen den Sterblichen gewährten, verlangten sie Verehrung und Opfer. Prometheus aber machte sich zum Fürsprecher seiner Geschöpfe und scheute sich nicht, die Götter mit List um die Opfer zu betrügen. In seinem Unwillen über solche Unbotmäßigkeit versagte Zens, der Weltenherrscher, den Menschen die wohltätige, segensreiche Gabe des Feuers.

Indessen wußte der schlaue Prometheus sich zu helfen. Er näherte sich mit einem riesigen Halm dem Sonnenwagen des Helios, entzündete ihn an einem der glühenden Räder und schenkte den Menschen die göttliche Kraft des Feuers.

Voll Zorn über diesen Frevel sann Zeus darauf, die Macht der Menschen einzudämmen. Er sandte ihnen Unheil in Gestalt einer wunderschönen Jungfrau, die der kunstfertige Hephaistos geschaffen hatte. Alle Götter hatten ihr eine unheilbringende Gabe für die Menschen mitgegeben, und darum hieß sie die Pandora, die Allbeschenkte.

Arglos nahmen die Menschen sie auf, gutgläubig ließ sich Epimetheus trotz der Warnung seines Bruders Prometheus eine kunstvolle Büchse aus Gold von ihr zum Geschenk machen. Kaum aber hatte er den Deckel geöffnet, da entwichen aus der Büchse alle Übel, Krankheiten und Qualen, die sie barg: sie verbreiteten sich über die Erde und überfielen – doppelt gefährlich, weil sie lautlos nahten – die wehrlosen Sterblichen.

Nur ein einziges Gut enthielt Pandoras Büchse, die Hoffnung. Bevor aber diese herausflattern konnte, verschloß die Abgesandte des Weltenbeherrschers ihre Büchse und versagte so den armen Menschen den letzten Trost.

Zeus aber war mit dem Ausmaß der Strafe noch nicht zufrieden, seine Rache sollte vor allem Prometheus treffen. Ohne Erbarmen ließ er ihn in die wildeste Einöde des Kaukasus schleppen und dort von Hephaistos an eine Felswand schmieden.

Aufrecht stehend, ohne je die müden Knie beugen zu können, hing der unglückliche Prometheus an der Klippe, schlaflos und ohne Trank und Speise. Zu seiner Qual kam täglich ein Adler und fraß von seiner Leber, die sich immer wieder erneuerte.

Lange überließ Zens den Verdammten seiner entsetzlichen Qual. Erst als Herakles auf seiner Wanderung des Weges kam, sollte Prometheus erlöst werden. Der Held erlegte mit seinem starken Bogen den Adler und befreite den unglücklichen Prometheus, der es gewagt hatte, dem göttlichen Willen die Stirn zu bieten. Damit Zeus' Urteil nicht unvollzogen bliebe, mußte Prometheus fortan einen eisernen Ring tragen, an dem sich ein Steinchen von jenem Kaukasusfelsen befand.

 


 

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