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Sagen aus Franken

: Sagen aus Franken - Kapitel 5
Quellenangabe
titleSagen aus Franken
typelegend
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modified20170929
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Die Barthelversetzer

Wenn man sich über einen Wöhrder ärgert (Wöhrd ist eine Vorstadt von Nürnberg und seine Kirche ist dem Heiligen Bartholomäus geweiht), dann sagt man zu ihm: »Du elender Barthelversetzer, du« Aber dann muß man sich in acht nehmen; denn das Wort schlägt dem ins Blut Und manche Rauferei im Wirtshaus oder bei der Kirchweih hat angefangen mit dem »Barthelversetzer«.

»Warum heißt man denn die Wöhrder Barthelversetzer?«

Die Wöhrder waren immer arme Leute und die reichen Nürnberger haben sie deswegen immer von oben herunter angeschaut. Ihre Kirche war klein und kümmerlich, und auch die Messgeräte und Messgewänder waren nicht die wertvollsten. Reiche Nürnberger Bürger, auch manche Wöhrder, denen es gelungen war, sich in Nürnberg selbst seßhaft zu machen, und dort zu Vermögen gekommen waren, stifteten den Wöhrder ihre schöne Kirche und manches wertvolle Gerät. So stiftete Ludwig Schott, der lange Jahre in Wöhrd draußen Richter war, gar eine Statue des Heiligen Barthel aus reinem Silber. Das Bild war fast eine Elle hoch und fünf Pfund schwer. Neun Mark Silber wurden dazu verwendet, im Wert von vielen tausend heutigen Mark. Die Wöhrder waren stolz auf ihren silbernen Barthel, und damit jeder ihren Reichtum sehen könne, lieBen sie ihn das ganze Jahr hindurch frei und offen auf dem Altar stehen. Da war aber einmal ein Mesner, der Emblems Fritz, der hatte jahrelang die Kirche und auch all das wertvolle Gerät versorgt; aber eines Tages war er verschwunden. Und mit ihm 500 Gulden und alles Kirchensilber. Der silberne Barthel war auch nicht mehr da. Die Wöhrder suchten in der Kirche, im Mesnerhaus und sonst überall, aber der Barthel blieb verschwunden, genauso wie der Emblems Fritz:. Und das schönste war: das schwere Postament, auf dein der Barthel stand, war auch nicht mehr da. Die Wöhrder dachten: Wenn der Emblems Fritz mit all unsern schönen Sachen in die weite Welt gelaufen ist, dann hat er den schweren Barthel sicher: nicht weit mitgenommen. Und sie fragten ringsherum in allen Pfandhäusern, bei allen Geldverleihern und Schacherern, ob niemand ihren silbernen Barthel gesehen habe. Und wirklich, draußen in Schanktisch, da fand sich der Barthel. Der Emblems Fritz hatte ihn dort versetzt. Die Wöhrder sammelten überall, lösten ihren Barthel ein, und waren froh, daß ale ihn wieder hatten. Aber von jetzt an stellten sie ihn nicht mehr frei und offen auf ihren Altar. Das ganze Jahr über ist er in einer eisernen Truhe aufgehoben und nur bei der Kirchweih wird er dem Volk gezeigt und dabei scharf bewacht. Die bösen Leute aber sagen: Die Wöhrder versetzen ihren Barthel immer das ganze Jahr hindurch und bloss zur Kirchweih lösen sie ihn für einen Tag aus, damit niemand etwas davon merkt.

 


 

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