Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Franken

: Sagen aus Franken - Kapitel 44
Quellenangabe
titleSagen aus Franken
typelegend
created20010114
modified20170929
Schließen

Navigation:

Vom Männlein laufen

Kaiser Karl IV. hatte auf dem neuen Marktplatz in Nürnberg der »Lieben Frau«, der Jungfrau Maria, eine schöne Kirche bauen lassen. Als sie fast fertig war, hielt der Kaiser einen großen Reichstag in Nürnberg. Das war Im Jahr 1356. Der Reichstag verlief glänzend. Die Fürsten und Herren und Vertreter der Städte einigten sich, und es wurde die große neue Verfassung für das deutsche Reich beschlossen. Die neuen Bestimmungen über die Kaiserwahl, über die Rechte der Kurfürsten und über die Regierung des ganzen Reiches wurden aufgeschrieben in der »Goldenen Bulle«, nach der die neue Reichsverfassung ihren Namen bekam. Als das Werk zu Ende gebracht war, und der Reichstag entlassen werden konnte, stiftete der Kaiser zur Erinnerung an dieses Werk eine große kunstvolle Uhr für die Frauenkirche auf dem Marktplatz. Über dem Hauptportal sollten die Kurfürsten und der Kaiser in einem künstlichen Uhrwerk dargestellt werden. Der Schlossermeister Heuß erdachte und baute das Werk, und Lindenast lieferte kupfergetriebene Figuren dazu. Auf dem Thron :saß Kaiser Karl in voller Pracht. Wenn es mittags 12 Uhr war, dann ging oben an der Uhr ein Tor auf; da erschien erst ein Herold; dann folgten vier Posaunenbläser und darauf kamen die sieben Kurfürsten mit den Reichskleinodien. Die Posaunenbläser setzten die Posaunen an den Mund, die Kurfürsten nahmen vor dem Kaiser zierlich ihre Hermelinmützchen ab, dann kam der Tod mit einer grossen Sense und schlug an der Glocke die Stunden an. Darauf verschwand der ganze Zug wieder im Innern der Uhr.

Im Laufe der Jahrhunderte verrostete die Uhr; die Figuren zerbrachen und mußten durch hölzerne ersetzt werden, die viel steifer waren und ihr Mützchen nicht mehr abnehmen konnten. Aber bis heute in der Nürnberger Altstadt stehen viele Bewunderer, die gerade vorbeigehen jeden Mittag um 12 Uhr auf dem Marktplatz und sehen hinauf zum Kaiser Karl, der noch immer dort droben sitzt, und schauten zu, wie die Männlein laufen.

 


 

 << Kapitel 43  Kapitel 45 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.