Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Sagen aus Franken

: Sagen aus Franken - Kapitel 40
Quellenangabe
titleSagen aus Franken
typelegend
created20010114
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der Kaiser und der Landstreicher

Kaiser Rudolf von Habsburg zog einmal zur Kirche. An der Kirchentür aber trat ihm ein Bettler entgegen. Abgerissen und mager. Er faßte den Kaiser am Gewand und sagte: »He, Bruder, nicht so schnell, ich bin auch noch da!« Die Begleiter des Kaisers wollten den Bettler wegziehen aber der Kaiser sprach: »Laßt ihn!« Und zu dem Bettler gewendet: »Wie kommst du darauf, mich deinen Bruder zu heißen?« Der Bettler aber lachte: »Stammst du nicht auch, wie ich, von Eva und Adam?« Und als der Kaiser mit dem Kopf nickte fuhr er fort: »Siehst du, so sind wir also Brüder, und es ist ein schweres Unrecht, dass du in der Pracht daherkommst und jeden Tag Essen und Trinken die Fülle hast, während ich, dein armer Bruder, nur das habe, was die guten Leute mir schenken. Du kannst die Schande nur dadurch gutmachen, dass du alles, was du hast, mit mir, deinem Bruder, teilst!« Da lachte der Kaiser und sagte: »Mein Lieber, du hast recht Ich muß jetzt in die Kirche. Geh einstweilen, während ich bete, nach Haus und hol dir einen Sack!« Während der Kaiser mit seinem Gefolge in die Kirche trat, eilte der Bettler nach Hans und holte sich einen großen, weiten Sack. Er konnte ihn gar nicht groß genug finden. Und als der Kaiser wieder aus der Kirche kam, stand da der Bettler mit seinem Sack und öffnete ihn weit und breit, so gut er konnte. Der Kaiser aber warf einen Heller hinein. Ein kleines Kupferstücklein! Und als der Bettler fragend zum Kaiser aufsah, da rief der: »Schau dich um, das sind alles deine Brüder und drüben in der Stadt und draußen in der Welt, Brüder landauf und landab! Wenn alle kämen und mit mir teilen wollten, kam auf keinen mehr als ein Heller. Und wenn dir jeder von den Brüdern einen Heller gibt, dann bist du bald so reich wie ich!«

 


 

 << Kapitel 39  Kapitel 41 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.