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Sagen aus Franken

: Sagen aus Franken - Kapitel 30
Quellenangabe
titleSagen aus Franken
typelegend
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modified20170929
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Schöne Hoffräulein gehen in die Klause

Kirche und Kloster Pillenreuth

Kaiser Ludwig der Bayer war mit seinem ganzen Hof nach Nürnberg gekommen. Die Stadt wollte zeigen, wie reich sie war, und gab ein Fest nach dem andern. Da wurde geschmaust und getrunken, da wurde getanzt und gesprungen, und jedermann, die edlen Frauen und die großen Herren, hatten alles, was sie sich nur wünschten.

Mitten zwischen den Festen kam eine Schar von Hoffräulein der Kaiserin zum Kaiser und bat, man möchte ihnen doch erlauben, von jetzt an aller Welt ade zu sagen, und ihnen draußen im Nürnberger Wald eine Klause bauen, wo sie künftig andächtig und gottselig leben könnten. Ludwig war überrascht; denn es waren die schönsten von den Hofdamen darunter. Aber er konnte nichts dagegen sagen. Am Nachmittag ritt er hinaus in den Wald, um einen schönen Platz für das Frauenklösterlein zu suchen. Von Eibach aus ritt er nach Süden durch die Lach und, wie er unter einer hohen Eiche dahinritt, hörte er auf einmal ein ganz liebliches Singen. Er suchte den Vogel im Baum, der ein so wunderschönes Stimmlein hätte; aber er konnte nichts sehen als nur das Bildnis des gekreuzigten Herren am Stamm. Kein Vogel war weit und breit. Aber das Klingen war immer noch zu hören. Da sprang er vom Pferd, verehrte das Wunder und hieb mit dem Schwert ein Zeichen in den Baum, damit er ihn wiederfände.

Ein paar Tage später schickte der Kaiser Arbeiter in den Wald; die fällten um die große Eiche herum die Bäume, zogen die Wurzeln aus der Erde, hieben Balken zu, und bald stand dort ein hölzernes Kirchlein mit einem geräumigen Haus für dreizehn Klausnerinnen (12 Schwestern und eine Vorsteherin). Weil der Wald um das Bild herum gerodet worden war, hieß das Klösterlein bald »Bildenreuth«. Heute haben die Nürnberger vergessen, woher der Name kommt, und schreiben den Namen »Pillenreuth«. – Bald darauf haben Nürnberger Bürger für das Kloster so viel gestiftet, daß man die Kirche und das Wohnhaus in Stein auffuhren konnte. In der Nähe liegen große Fischteiche, die gehörten dem Kaiser. Ludwig der Bayer schenkte den frommen Frauen von Pillenreuth den Zehnten aus seinen Fischteichen.

 


 

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