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Sagen aus Franken

: Sagen aus Franken - Kapitel 24
Quellenangabe
titleSagen aus Franken
typelegend
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modified20170929
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Goldsuchende Venediger im Fichtelgebirge

Viele Männer aus Welschland, besonders aus Venedig, kamen einst in die deutschen Berge, um wertvolle Metalle, vor allem Gold, zu suchen.

Ein Venediger, der häufig im Fichtelgebirge anzutreffen war, kehrte oft bei einem Landmann in Wülfersreuth ein. Dieser nahm ihn stets gastfreundlich auf und bot ihm, was er vermochte. Einstmals nun erschien der Venediger wieder, diesmal allerdings um für immer Abschied zu nehmen.

»Ich kehre jetzt in meine Heimat zurück, um die Früchte meiner langjährigen Mühen in Ruhe zu genießen,« sagte er, »und werde wohl nie mehr deine gastliche Schwelle überschreiten. Wenn du jedoch einst irgend ein Anliegen auf dem Herzen hast, so komm zu mir in das ferne Venedig, und ich will dir in deiner Not helfen. Ich glaube, wir werden uns wiedersehen.« Damit schied er.

Und siehe, nach Jahren zogen schwere Wolken über das kleine Haus des bescheidenen Mannes aus dem Fichtelgebirge, so daß der besorgte Bauer keine andere Hilfe aus Not und Sorgen mehr wußte, als bei seinem Freund in Welschland vorzusprechen. Da machte er sich nun auf, wanderte gegen Süden und erreichte glücklich die große Stadt am Meer. Dort wurde ihm aber bange, als er die weiten Straßen und Plätze sah; wie wollte er da seinen Freund ausfindig machen? Den Namen hatte er längst vergessen. Während er jedoch in halber Verzweiflung die prächtigen Häuser ringsum anstaunte, rief plötzlich eine Stimme aus einem herrlichen Palast: »Hanns! Hanns!« und ein reichgeschmückter, vornehmer Mann stürzte heraus und umarmte den verblüfften Bauern.

War das der Venediger in den schlechten schwarzen Kleidern, den er einst beherbergt hatte? Er war es und hatte ihn in seiner Fichtelberger Tracht sogleich wieder erkannt. Und der vornehme Mann führte den armen Besucher in die herrlichen Säle, die von Pracht und Reichtum glänzten. Dem bedrückten Waldbewohner war es, als träume er. Der Venediger vergalt nun alles tausendfach, was ihm der arme Gebirgler einst Gutes getan hatte. Reich beschenkt kam dieser in seine bescheidene Heimat zurück und führte von nun an ein sorgenfreies Leben.

 


 

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