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Sagen aus der Schweiz

: Sagen aus der Schweiz - Kapitel 44
Quellenangabe
titleSagen aus der Schweiz
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Tanz mit dem Nachtvolk

Nahe der Kapelle der hl. Margaretha befindet sich eine schöne waldlose Ebene, ›Plan dy danses›‹ genannt, auf der die jungen Leute, so wird erzählt, gerne ihre verborgenen Tänze hielten. Eines Abends versammelten sich dort wieder viele und der Tanz begann lustiger als gewöhnlich; munter pfiff des Spielmanns Flöte, die Geigen zischten summend und die fröhlichen Tänzer, sich hurtig im Kreise drehend, begannen zu jodeln, zu trallen und hell aufzujauchzen. – Und sieh! es kamen neue ungekannte Tänzer, nie gesehene Tänzerinnen an und schlossen sich tanzend ihren tanzenden Reihen an. Und es kamen wieder andere und wieder andere, und zuletzt so viele, daß der große Tanzboden überfüllt und unsere ersten Tänzer einander kaum mehr erkannten und ein sichtbares Zeichen verabredeten, um einander nicht ganz unter der Menge zu verlieren.

Das dauerte aber nicht gar lange; unserm Tänzervolk ward bange und es begann auszureißen. Sie flohen den Berg hinab und suchten eine alte Scheuer auf, in welche sie sich eilig einzuschließen bemühten, weil eine Schar der Ungekannten ihnen auf der Ferse folgte. Voll Angst schrien sie um Hilfe, denn die Fremden drohten Türen und Wände einzuschlagen. Einer der Tänzer wußte das Evangelium des hl. Johannes und begann dasselbe mit lauter Stimme vorzubeten; alle stimmten fromm mit. Da wurde es stiller von außen. Eine Stimme rief ihnen noch zum Schlüsselloch hinein: »Wenn ihr nicht dieses Gebet gebetet hättet, wo würden wir euch zerhacken wie Gartengemüse.« Die Angreifer entschwanden in feurigen Flammen in den Wald zurück.

Nur ein Geiger fehlte aus ihrer Gesellschaft. Der Arme war zu sehr von den Musiktönen seines Spieles hingerissen, daß er die Flucht der Seinen nicht wahrnahm und sich ihnen nicht mehr anschließen konnte. Am folgenden Morgen kam er zerlumpt und zerrissen, nur seine Geige blieb unbeschädigt, aus dem Wald heraus; die fremden Tänzer jagten ihn die ganze Nacht so durch Stauden, Disteln und Dornen, daß kein ganzer Fetzen an seinem Leibe blieb.

 


 

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